Sie sind so gut ausgebildet wie nie zuvor und bringen großes Interesse für Technik und Naturwissenschaften mit. Dennoch sind die MINT-Studiengänge (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) für junge Frauen offensichtlich nicht attraktiv genug – oder die Mädchen unterschätzen ihre Talente und trauen sich die MINT-Studiengänge nicht zu. Denn Frauen steuern immer noch hauptsächlich auf typische Frauenberufe hin, wie Lehrerin oder Sozialpädagogin. Technisch-mathematische Studiengänge meiden sie hingegen.

Gleichzeitig zeigen wissenschaftliche Studien, dass immer mehr Akademikerinnen und Akademiker fehlen werden, davon ein Großteil aus dem Bereich der Naturwissenschaften und den Ingenieurwissenschaften. Doch wie kann man Mädchen von MINT-Berufen begeistern?

Mädchen brauchen Zeit und Raum

Die Jungen machen einfach – die Mädchen denken erst mal nach. Auf diese grobe Formel lassen sich die unterschiedlichen Herangehensweisen der Geschlechter bringen. Während die Jungen nach dem Motto Versuch und Irrtum verfahren und wenig Scheu haben, dabei auch Fehler zu machen, ist es den Mädchen – so berichten Schul- und Projektpraktiker einhellig – ein großes Bedürfnis, zunächst die theoretischen Grundlagen sowie Sinn und Zweck etwa eines naturwissenschaftlichen Experiments zu verstehen.

Das führt nicht selten dazu, dass Mädchen sich an den Rand gedrängt fühlen und „abgehängt“ werden, weil sie keine Zeit und keinen Raum für ihre spezifische Arbeitsweise bekommen.

Mädchen brauchen Bezüge und Begründungen

Deutlich stärker als bei den Jungen hängt das Interesse der Mädchen an naturwissenschaftlich-technischen Fragestellungen davon ab, wie ein Thema aufbereitet ist und in welchen Zusammenhang es gestellt wird. Abstrakte Begriffe wie Thermodynamik oder Gravitation schrecken Mädchen eher ab; sie interessieren sich aber sehr wohl für die Naturphänomene, in denen diese Gesetze am Werk sind.

Neben der Anschaulichkeit sind auch moralische Überzeugungen und Wertvorstellungen von Bedeutung: Mädchen kommt es viel stärker darauf an, das, was sie lernen und tun, als sinnvoll und relevant zu erleben. Mädchen und Frauen für MINT-Berufe zu begeistern, heißt ihre Vielfalt zu erkennen und dank dieser erfolgreicher zu werden.

2008 wurde der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT.“ geschlossen.

Mittlerweile agieren mehr als 200 Partner aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sozialpartnern und Medien in diesem Pakt.

Durch vielfältige Aktionen, Kampagnen, Projekte und eine breite Öffentlichkeitsarbeit arbeiten sie daran, das Bild von MINT in der Gesellschaft zu verändern, mehr Mädchen und junge Frauen für MINT-Studiengänge und -Berufe zu begeistern und weibliche MINT-Fachkräfte für Karrieren in Wirtschaft und Wissenschaft zu gewinnen.

Die Vernetzung der Partner unter dem Dach von „Komm, mach MINT.“ macht einen breiten Erfahrungsaustausch möglich, durch den vorhandene Maßnahmen verbessert, neue Projekte initiiert und vielfältige Kooperationen eingegangen werden können.

Das Informationsportal www.komm-mach-mint.de bietet einen Überblick über das breite Spektrum von Angeboten zur Gewinnung weiblicher Nachwuchskräfte mit konkreten Tipps, Handlungsempfehlungen und einer bundesweiten Projektlandkarte mit mehr als 1.000 Projekten.

Herausragendes Beispiel für die Netzwerkarbeit von „Komm, mach MINT.“ ist meet.ME, eine Fachtagung und Karriere-Auftakt-Veranstaltung, die am 30.06./01.07.2016 bereits zum zweiten Mal stattfindet.

Unter dem Motto „Arbeitswelt der Zukunft – Perspektiven mit Informatik“ werden Informatik- und Elektrotechnikstudentinnen und -Absolventinnen mit dem starken Netzwerk der „Komm, mach MINT.“-Paktpartner zusammengebracht und können erste Kontakte knüpfen.

Der Pakt ist offen für weitere Partner, die sich für die gemeinsamen Ziele einsetzen und aktiv mitwirken wollen, um mehr Frauen für MINT-Berufe zu gewinnen.