Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?

Die Dynamik, der stetige Wandel der diesen Beruf begleitet. Die vielschichtigen Aufgaben, die mir als Teamleiterin zu Teil sind. Darüber hinaus Projekte zu koordinieren, im Dialog mit den Kollegen und Anwendern zu bleiben und neue technologische Entwicklungen im Blick zu haben. Dann auch noch den Betrieb einer komplexen Umgebung sicherzustellen, macht die Arbeit sehr spannend.

Unabhängig vom Geschlecht braucht es einfach auch Mut und Durchhaltevermögen.

Sie sind als IT-Leiterin in einem mittelständischen Unternehmen beschäftigt. Fühlen Sie sich als Führungskraft von Ihren männlichen Kollegen als Frau ernstgenommen?

Ja. Ich glaube, da habe ich nicht mehr oder weniger Probleme als meine männlichen Kollegen. Es braucht immer etwas Zeit, bis sich ein Team findet. In unserer Abteilung arbeiten zurzeit acht Männer. Die männliche Quote ist in der technischen Abteilung natürlich nach wie vor höher als zum Beispiel in der Buchhaltung. Aber als Frau müssen Sie sich beruflich genauso behaupten wie ein Mann.

Ist es für eine Frau schwieriger, in einem männerdominierten Berufsfeld zu arbeiten?

So etwas lässt sich, meines Erachtens, nicht am Geschlecht ableiten, sondern wie die Persönlichkeit und das fachliche Know-how des Einzelnen ist.

Ich habe das Glück, in einem Unternehmen tätig zu sein, in dem Chancengleichheit und respektvoller Umgang gelebt wird. Das braucht es auch in der heutigen Zeit.

Leider bewerben sich generell für unseren Bereich sehr wenige Frauen. Fehlt denen womöglich der Mut oder halten die Anforderungen an Rufbereitschaft und höheres Reiseaufkommen sie davon ab? Ich weiß es nicht.

Was raten Sie Mädchen und Frauen, die sich für die IT-Branche interessieren?

Zuerst einmal müssen sie herausfinden, welche beruflichen Schwerpunkte zu ihren Fähigkeiten passen. Wollen sie eher tiefer in der Technik, z.B. Systemprogrammierung, oder mehr kundenorientiert, beispielsweise im IT Support, arbeiten. Die IT bietet hier ein breites Spektrum wie jede andere Branche auch.

Um zu einer Entscheidung zu kommen, sollte man sich auf dem Arbeitsmarkt umschauen. Hier gibt es längst viele Angebote wie Messen, Praktika, Girls-Day, MINT-Programme, die unterstützend wirken oder man recherchiert selbst im Internet. Gerade Firmen, die sich intensiver in der Öffentlichkeit präsentieren, investieren auch Zeit und Geld in die Förderung.

Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern, damit mehr Frauen technische Berufe wählen?

Diverse Förderprogramme für Frauen werden ja bereits verstärkt in den MINT-Berufsfeldern beworben. Eventuell müsste man damit noch früher starten, beispielsweise schon im Kindergarten und in der Schule. In diesem Alter sind sehr junge Menschen noch neugieriger, unbefangener und mögliche Klischees bezüglich ihrer Interessen sind noch nicht in den Köpfen.

Unabhängig vom Geschlecht braucht es einfach auch Mut und Durchhaltevermögen. Entscheidend ist, ein Ziel zu verfolgen und es mit einem starken Willen Schritt für Schritt umzusetzen. Frauen müssen den Weg also selbst gehen, unabhängig von irgendwelchen Quoten. Davon bin ich überzeugt.

Viele Frauen haben Probleme, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Das stimmt, gerade im Alter zwischen 30 und 40 Jahren entscheiden sich viele Kolleginnen dafür Nachwuchs zu bekommen. Der Spagat zwischen Familie und Karriere ist nicht immer einfach aber machbar! Mittlerweile bieten eine Fülle an Arbeitgebern flexible und mobile Arbeitszeitmodelle an.

Wie haben Sie das Problem gelöst?

Ich habe erst eine Familie gegründet und bin dann im Beruf durchgestartet. Dabei hatte ich familiäre Unterstützung. Gelernt habe ich damals noch Datenverarbeitungskauffrau und bin dann durch meine Leistungen, Engagement, Persönlichkeit und interne Projekte zur Teamleiterin aufgestiegen. Wichtig ist dafür aber immer ein Unternehmen, für das Chancengleichheit selbstverständlich ist.