Ein Beispiel wie sie in der Praxis umgesetzt werden kann, möchten wir Ihnen anhand des Interviews mit Thomas Wissgott, Geschäftsführer der Frankfurter Verkehrsgesellschaft, verdeutlichen.

Herr Wissgott, Sie haben sich im letzten Jahr dazu entschlossen, als Unternehmen die Women´s Empowerment Principles (WEPs) zu unterzeichnen und sich der Solidaritätskampagne #HeForShe anzuschließen. Was hat Sie zu diesem Schritt bewegt?

Insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels hat die Steigerung des Anteils der Frauen in der Arbeitswelt einen hohen gesellschaftspolitischen und ökonomischen Stellenwert. Uns ist bewusst, dass Frauen - im Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie - höherer und mehrfacher Belastungen im Alltag ausgesetzt sind - von der Kinderbetreuung bis zur Pflege von Familienangehörigen.

Daher setzen wir uns, gemeinsam mit der Stadt Frankfurt am Main, seit vielen Jahren für die gezielte Förderung von Frauen - von der Erhöhung der Frauenquote in den technischen Bereichen über eine gezielte Karriereförderung bis zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf - ein.

Weitere Ziele sind die Stärkung der Durchsetzungskraft, der Selbstbehauptungskompetenz und des Selbstbewusstseins.

Wie beurteilen sie ein Jahr nach der Unterzeichnung der WEPs die bisherige Umsetzung in Ihrem Unternehmen?

Wir haben bereits eine Reihe konkreter Maßnahmen in die Wege geleitet beziehungsweise umgesetzt Eine nachhaltige gleichstellungsfreundliche Führungskultur ist umfassend zu verstehen, alle Akteure - Management, Belegschaft und Betroffene - müssen gemeinsam von der Sinnhaftigkeit der geschlechtsspezifischen Chancengleichheit überzeugt sein und an dem fortwährenden Prozess beteiligt werden.

Beispielsweise haben wir im letzten Jahr ein Personalkonzept „Frauenförderung“ entwickelt und eine Reihe von Maßnahmen bereits umgesetzt. Hierzu zählt unter anderem das Mentoring-Konzept, welches Mädchen und junge Frauen einen Weg zur erfolgreichen Berufsorientierung insbesondere auch in technischen Bereichen anbietet. Ferner wurde eine ausgewogene Berücksichtigung des Frauenanteils in Rekrutierungs-, Auswahl- und Besetzungsprozessen forciert.

Zur Förderung der Potentiale und Kompetenzen von Frauen und damit zusammenhängend zur Unterstützung von Frauen in der beruflichen Entwicklung wurde ein entsprechendes Konzept erstellt. Durch speziell auf Frauen angepasste Einzelberatungen/Coachings, Workshops und Impulsvorträge sowie spezieller Seminare mit anschließenden Netzwerkveranstaltungen sollen im Rahmen des Beratungsprozesses die weiblichen Kompetenzen und Erfolgsfaktoren herausgearbeitet und weiterentwickelt werden. Weitere Ziele sind die Stärkung der Durchsetzungskraft, der Selbstbehauptungskompetenz und des Selbstbewusstseins. Es richtet sich insbesondere an Frauen in Leitungs- und Führungspositionen.

Eine weitere personalwirtschaftliche Zielsetzung war, durch verstärkte Bindung von Potentialträgern während der Elternzeit mögliche Know-how-Verluste zu vermeiden beziehungsweise auf ein Minimum zu reduzieren. Dies wird insbesondere durch einen verbesserten Kommunikations- und Informationsaustausch sowie durch gezielte Unterstützungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Rückkehr aus der Elternzeit sichergestellt. Dadurch besitzt die VGF ein integriertes  Informations-, Kommunikations- und Planungssystem, welches sowohl eine erfolgreiche Rückkehr von Beschäftigten während als auch nach der Elternzeit gewährleistet.

Zur Verbesserung der Vereinbarung von Familie und Beruf wurden vielfältige Maßnahmen umgesetzt beziehungsweise in die Wege geleitet. So wurde 2014 ein sogenanntes Eltern-Kind-Büro eingerichtet, das Eltern die Möglichkeit bietet, in Notfällen (Betreuungsengpässe oder Erkrankung) ihr Kleinkind oder ihr heranwachsendes Kind mit zur Arbeitsstelle zu bringen und dort selbst für die Betreuung zu sorgen. Somit haben wir neben dem bereits vorhandenen Notfallplatz, eine weitere Möglichkeit geschaffen, berufstätige Eltern familiengerecht zu unterstützen.

In welchen Bereichen sehen Sie Herausforderungen, um Frauen in ihrem Unternehmen zu stärken?

Während wir in den kaufmännischen Berufen bereits einen sehr hohen Frauenanteil im Unternehmen haben, ist der Anteil der weiblichen Beschäftigten in den technischen Berufen gering. Der Fachkräftemangel und der demografische Wandel werden zu einem verschärften Wettbewerb zwischen den Unternehmen führen. Wir als technisch geprägtes Unternehmen stehen vor der Herausforderung vermehrt Frauen für technische Berufe zu begeistern. Unser Ziel ist es, ihnen die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten in unserem Unternehmen aufzuzeigen um den Anteil der weiblichen Beschäftigten in unserer Belegschaft zu erhöhen.

Die #HeForShe-Kampagne setzt auf Männer, die sich im alltäglichen Leben für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzen. Wie setzen Sie diesen Gedanken außerhalb ihres Unternehmens um?

Ich unterstütze die #HeForShe-Kampagne bereits seit über einem Jahr. Mir ist es ein großes Anliegen die Positionen der Frauen in unserer Gesellschaft zu stärken und somit überholte Rollenbilder abzuschaffen und eine Gleichberechtigung der Geschlechter zu erreichen. Daher unterstütze ich die Kampagne sowohl in beruflicher Hinsicht als auch außerhalb des Unternehmens.