Kann jeder Immobilienmakler werden?

Kurz: Ja. Der Beruf an sich gehört nicht zu den Lehrberufen und erfordert auch kein Studium. Dennoch müssen angehende Makler etliche Eigenschaften mitbringen. Ohne Engagement ist das Scheitern vorprogrammiert, auch Verhandlungs- und Vermittlungsgeschick sind gefragt. Zusätzlich gibt es behördliche Auflagen:

  • Erlaubnis - es ist eine behördliche Erlaubnis  bzw. ein Gewerbeschein nach §34c erforderlich.
  • Führungszeugnis - ein Makler ist ein Mensch, dem Vertrauen entgegengebracht werden kann. Um die Gewerbeerlaubnis zu erhalten, ist somit ein polizeiliches Führungszeugnis notwendig. Einträge wegen Diebstahl, Unterschlagung, Erpressung, Hehlerei, Urkundenfälschung, Betruges oder Untreue sind tabu. Gleichzeitig darf keine Insolvenzstraftat vorliegen.
  • Finanzen - Personen, die sich gerade in einer Insolvenz befinden, sind ebenfalls ausgeschlossen.
     

Um die Maklererlaubnis zu erhalten, sind zudem der Personalausweis, eine Auskunft des Amtsgerichts über das Schuldverzeichnis und eine steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts notwendig.

Ist dies geklärt, kann es doch losgehen? Theoretisch schon, doch sind angehende Makler gut beraten, sich mit ihrem neuen Metier zu beschäftigen. Denn ohne Fachwissen sind Beratungen unmöglich. Ein guter Makler weiß ob der Immobilienangelegenheiten vor Ort Bescheid und kennt die örtlichen Preise. Zudem kennt er sich mit dem Vertrags- und Mietrecht aus, hat wissen aus dem Notariat und Grundbuchrecht, das Baurecht ist ihm nicht fremd und zudem ist er stets über aktuelle Urteile in den Bereichen informiert.

Lernen ist wichtig

Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, wie das notwendige Wissen gelernt werden kann. Grundsätzlich ist es jedoch sinnvoll, eine »Ausbildung« zu starten:

  • Studium - es gibt Unis, die Studiengänge im Bereich der Immobilienwirtschaft oder der Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt »Grundstücks- und Wohnungswesen« anbieten. Zugleich kann auch an Fernuniversitäten das Studium zum geprüften Immobilienfachwirt begonnen werden.
  • Praktika - das Grundwissen lässt sich stets aneignen, dennoch ist es sinnvoll, vor den ersten Schritten mit einem erfahrenen Kollegen zusammenzuarbeiten. Viele Maklerbüros bieten Praktika oder auch Einführungszeiten für den Nachwuchs an.
  • Kurse - zudem sollten beständig Seminare oder Fortbildungen besucht werden.
     

Ganz so einfach ist der Weg zum Makler also doch nicht. Wobei Interessenten unbedingt darauf aufpassen sollten, nicht selbst an schwarze Schafe zu geraten. Seminare oder Prüfungen, die von Gruppen angeboten werden, die keinerlei Verbindung zu Maklerverbänden haben, sind oft unseriös.

Frauen können sehr erfolgreiche Makler werden

Gerade Maklerinnen sind oft sehr erfolgreich. Das Anforderungsprofil erfordert Verkaufsgeschick und das „Hineindenken“ in andere Perspektiven. Frauen haben hier enorme Vorteile:

  • Empathie – um ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Makler und Kunden aufzubauen, ist Empathie gefragt. Frauen fällt diese oft wesentlich leichter, sie können sich mühelos in Kunden einfühlen und wissen, wie sie diese zur richtigen Zeit passend beraten.
  • Wortgewandtheit – In Sachen Wortgewandtheit kommt die Empathie erneut ins Spiel. Wer das Ganze aus der Perspektive des Käufers sehen kann, findet die passenden Worte, um Käufer und Wunschimmobilie zusammenzubringen.
  • Verkaufstalent – Eine gewisse Verkaufsaffinität sollte vorhanden sein, jedoch kann jeder das Verkaufen lernen. Wichtig ist hierbei, seine eigene authentische Art zu finden.

Natürlich treffen diese Punkte nicht auf alle Frauen, dafür aber auch auf Männer zu. Wer allgemein eher menschenscheu ist und nur ungern mit Menschen direkt in Kontakt tritt, eher weniger spricht und schüchtern ist, hat es in dieser Branche durchaus schwerer.

Was ist zu beachten?

Die Hürden sind genommen, der erste Auftrag kann kommen. Doch auch nun müssen Makler wissen, was sie tun. So sollten sie schon darüber Bescheid wissen, wann ein Maklervertrag zustande kommt und wie sie Angebote rechtssicher erstellen. Zugleich kann es Hürden rund um das Wettbewerbsrecht geben:

  • Impressum - stimmt das Impressum auf der eigenen Homepage? An dieser Stelle sollten Makler genau achtgeben und prüfen, was in ihrem Bundesland verlangt wird.
  • Urheberrecht - wer eine Anzeige aufgibt, ein Bild einstellt und nicht die Erlaubnis des Bilderstellers hat, den können Abmahnungen erwarten.
  • Vergessene Informationen - eine Anzeige über ein Miet- oder Verkaufsobjekt ist schnell erstellt. Fehlt nun aber die Angabe zum Energieausweis, kann der Makler abgemahnt werden.
  • Maklervertrag - hat der Makler ein Angebot erstellt oder nimmt er das Angebot eines Interessenten an, kommt ein Maklervertrag zustande. Die Grundlage findet sich in §652 BGB. Übrigens kann das Zustandekommen auch eintreten, wenn der Makler einem Interessenten vor einer Besichtigung ein ausführliches Exposé überreicht. In diesem Fall hat er dem Interessenten die wichtigen Informationen mitgeteilt, durch die Annahme des Exposés wurde zugestimmt.
     

Provision – wer zahlt die Provision? Bei Vermietungen gilt das Bestellerprinzip, also der, der den Makler beauftragt, zahlt die Provision. Bei Verkäufen gilt das Prinzip nicht, hier gelten die Vereinbarungen zwischen Makler und Auftraggeber.

Erfolg Business ImmobilienBis zum erfolgreichen Verkauf sind einige Hürden zu umschiffen. Foto: geralt (CC0-Lizenz) via pixabay.com

Fazit – erst Erfahrung sammeln

Grundsätzlich ist es recht leicht, in den Maklerberuf einzusteigen. Sind die gesetzlichen Hürden erst genommen, kann es losgehen. Dennoch kann jedem Interessenten nur geraten werden, sich vorzubilden und durchaus für längere Zeit in den Beruf hineinzuschnuppern. Denn der Sprung in die Selbstständigkeit ist kompliziert, noch schwieriger wird er jedoch, wenn einzig theoretisches Wissen vorhanden ist. Zumindest ein Praktikum bei einem Immobilienmakler sollte wahrgenommen werden, um den Beruf auch einmal am eigenen Leib live mitzubekommen.