So liegt die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern in der Bundesrepublik bei rund 21 Prozent. Rechnet man strukturelle Faktoren heraus, zum Beispiel dass Frauen häufiger in Teilzeit tätig sind sowie seltener Führungspositionen inne haben, ergibt sich eine Lücke von sechs Prozent. Diese Werte halten sich seit Jahren konstant. Bei der Rente sieht es nicht besser aus. Statistisch gesehen, erhalten Frauen 60 Prozent weniger. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat sich 2017 in ihrer Studie „The Pursuit of Gender Equality“ intensiv mit diesen und anderen Zahlen beschäftigt.

Schlechter bezahlt

Die Gründe für diese Ungleichheit sind vielschichtig: Frauen sind in Spitzenpositionen unterrepräsentiert, die zudem nicht in Teilzeit besetzt werden können. Nach wie vor gibt es Rollenstereotype bei der Leistungsfeststellung und Stellenbesetzung. Zwar erzielen junge Frauen oft bessere Abschlüsse an Schule und Universität. Allerdings konzentrieren sie sich weniger auf die so genannten MINT-Bereiche (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sowie Berufe wie zum Beispiel Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder Anwalt. Diese werden allerdings vergleichsweise lukrativ bezahlt.

Gefahr der niedrigen Rente

Schulabgängerinnen entscheiden sich stattdessen für personennahe und soziale Dienstleistungen. Sie wählen vermeintliche Frauenberufe wie Pädagogin, Altenpflegerin, Arzthelferin oder Friseurin, die nicht vergleichbar honoriert werden. Gravierend ist zudem die familienbedingte Erwerbsunterbrechung, wenn Frauen die Kinder oder einen kranken Angehörigen zu Hause betreuen. Der anschließende Berufseinstieg erfolgt oft über Minijobs oder Teilzeit. Beide Faktoren sind der Grundstein für eine niedrige Rente.

Wenige Unternehmerinnen

Auch bei der Selbständigkeit hinken sie den Männern hinterher: Unter denen liegt der Anteil der Unternehmer mit Mitarbeitern fast dreimal so hoch. Mittelständler profitieren bei Erfolg jedoch von hohem Einkommen. Auch die Scheidung trifft Frauen mit einem finanziellen Risiko massiver als Männer. Letztere haben zudem oft einen besseren Überblick über ihre finanzielle Situation.

Maßnahmen für mehr Gleichberechtigung

Die OECD empfiehlt der Politik unterschiedliche Instrumente für mehr Gleichzeit – unter anderem die Anhebung des Lohnniveaus in sozialen Berufen, den Ausbau der Ganztagsbetreuung, Anreize für Väter bei der gleichgewichtigen Aufteilung der unbezahlten Familienarbeit, die Förderung des Interesses von Frauen an technischen Berufen sowie transparente Gehaltsstrukturen in Unternehmen.

Ein paar Initiativen sind hierzulande auf den Weg gebracht: Zu nennen sind die Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns, der Ausbau der Kinderbetreuung, Aktionsprogramme wie „Perspektive Wiedereinstieg“, Kampagnen wie Girls'Day und Boys'Day, die auf das Berufswahlverhalten junger Menschen einwirken sollen, Partnermonate beim Elterngeld sowie das Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen.