Was ist eure individuelle Definition von Erfolg?

S: Erfolg heißt für mich persönlich, dass ich zufrieden bin, glücklich bin, das hat viel mit Freiheit zu tun, was natürlich mit der Gründung von Edition F einhergeht - Erfolg ist auch, dass das, wofür ich Zeit investiere, im Zweifel Geld investiere, Anerkennung und Reichweite findet.

Ich glaube, wenn man profitabel das machen kann, worauf man Lust hat, dann ist das ein großer Erfolg.

Habt ihr immer an den Erfolg von Edition F geglaubt oder gab es auch mal Zweifel am Ganzen?

N: Nee. Also wir hatten nie grundsätzliche Zweifel an der Grundidee – aber am Modell basteln wir schon immer mal wieder rum, klar. Und manchmal ist das auch hart. Vor einem Jahr standen wir an so einem Punkt, an dem wir uns gefragt haben „Wie geht’s jetzt genau weiter?“ Wir brauchten eine Idee, mit der wir schnell Geld verdienen können. Und dann haben wir die Female Future Force entwickelt. Ich bin mir nicht sicher, ob wir die gleiche Idee entwickelt hätten, wenn wir zu dem Zeitpunkt ’ne Million gehabt hätten. Manchmal ist auch gut, nicht so „erfolgreich“ zu sein, weil man dann kreativer wird.

Erzählt uns mehr über den „Female Future Force Day“.

N: Das ist natürlich aus dem Thema „Female Future Force“ heraus entstanden - wir haben uns das im Januar letzten Jahres ausgedacht und im März als Crowdfunding Projekt gelauncht, vor allem als digitales Coaching, um Frauen weiter voranzubringen. Dann haben wir gesehen, dass das sehr viel mehr ist als ein digitales Coaching – das ist eine richtige Bewegung. Und zwar nicht, weil da Frauen irgendwelche T-Shirts tragen, sondern weil sich da inzwischen 45 lokale Gruppen in ganz Deutschland gegründet haben, die sich regelmäßig treffen. Teilweise organisieren die Panels, wo 150 Leute kommen, aus eigenem Antrieb heraus. Das heißt, das Thema Vernetzung und Weiterbildung ist total zentral.

Foto: Nora Tabel

S: Dann haben wir gesagt, okay dann lass uns neben den kleinen Community Events ein „großes Ding“ organisieren, um das alles zu bündeln und Inhalte wirklich erlebbar zu machen in einem Live-Umfeld.Dann haben wir uns fünf, sechs Themenschwerpunkte gesetzt, also zum Beispiel Tech & Innovation, Karriere, Impact, Familie, und zu jedem Thema gibt’s dann tolle Speaker - zum Teil Coaches, aber auch viele aus der freien Wirtschaft, die direkt aus der Praxis erzählen.

Also das wird ein Hammertag unter dem Motto „Der Tag, der dein Leben verändert.“ Eine Art „Conference meets Festival“, im Funkhaus in der Rummelsburger Bucht, eine coole Location direkt am Wasser. 

Wow! Okay, kommen wir noch zum Thema Frauenquote – man hat das Gefühl, dass ihr da schon viel weiter seid. Spielt die Frauenquote, die politische Diskussion im Alltag von Edition F eine Rolle?

N: Ich hab da tatsächlich selbst eine Entwicklung durchgemacht. Wenn man mich vor vier Jahren gefragt hätte, hätte ich wohl gesagt „Frauenquote eher nicht“. Heute sehe ich das ein bisschen anders, weil ich viele Frauen getroffen habe, die entweder schon in DAX-Vorständen waren, aber nicht mehr sind; oder sich das gut vorstellen könnten, aber immer wieder auf viele Hindernisse stoßen. Also, es wäre schön, sagen zu können, es ist nicht notwendig – aber anderseits gibt es aktuell keine einzige CEO in einem DAX-dreißig-Unternehmen. Dabei gibt es natürlich ohne Ende qualifizierte Frauen.

Da ist noch nicht so viel erreicht.

N: Da dümpeln wir immer noch in einstelligen Prozentzahlen rum. Insofern glaube ich schon, dass die Quote über einen gewissen Zeitraum helfen kann, dass Unternehmen da aktiver drüber nachdenken, und deshalb bin ich dafür.  

S: Ich schwanke da immer mal wieder. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass das größere Thema „Unternehmenskultur“ sich nur durch die „Personalie Frau“ aufweichen wird; es wird immer von der „digitalen Transformation“ gesprochen, dabei müssen viele Unternehmen erstmal an ihrer „kulturellen Transformation“ arbeiten. Konservative Chefetagen scheinen das ganze „New Work“-Thema oft als eine Art „Pseudo-Thema“ abzutun – wir beobachten, dass jüngere, hochqualifizierte Leute sich einfach ein ganz anderes Arbeitsumfeld vorstellen. Wer da was zu bieten hat, ist attraktiv, da werden einige „ältere Herren“ sich vielleicht noch umgucken. Also, eine Quote kann natürlich eine Brücke sein, aber eigentlich geht es um eine zeitgemäße Unternehmenskultur – in der man Quoten gar nicht bräuchte. Wenn die großen Unternehmen das nicht bald merken, könnte es da in der Zukunft ganz schön traurig aussehen.