Was ist Ihre persönliche Definition von Erfolg?

Für mich ist die Frage ganz wichtig: Ist es ein Erfolg nach den Maßstäben der anderen, die von außen an dich herangetragen werden, oder ist es dein Erfolg? Ich glaube, das muss man unterscheiden. Der eigene Erfolg und die Erfolgserlebnisse, die man hat oder anstrebt, können manchmal diametral zu dem sein, was Menschen einem von außen vorgeben. Ich denke, es ist ganz wichtig, für sich selbst zu erfahren, was dein eigener Erfolg ist. Das ist schon mal ein Schritt, um herauszufinden, welchen Weg man einschlagen will. Wichtig ist also, den Erfolg erst mal für sich selbst zu definieren.

Wann sagen Sie, das war heute ein erfolgreicher Tag für mich?

Auch das ist immer ein bisschen stimmungsabhängig. Manchmal ist es tatsächlich ein Telefonat, das ich schon länger aufschiebe, weil es mir schwerfällt oder unangenehm ist oder auch weil es sehr schön ist. Für mich sind Erfolgstage, wenn ich gewisse Hürden, die ich mir selbst gestellt habe, überwunden habe. Oder ein Kinostart mit einem gut verlaufenden Wochenende – man weiß, ist das Wochenende gut, wird der Film gut laufen. Das sind Erfolgsmomente, die einem guttun, weil man sehr viel Lebenszeit in seine Arbeit investiert und wir ja auch alle nicht frei sind von der Sehnsucht nach Streicheleinheiten und Komplimenten, die wir auch alle brauchen.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie sich ein neues Ziel gesetzt haben? Haben Sie dafür spezielle Tools?

Ich muss zugeben, dass ich noch nicht mal einen Lebensplan habe, und ich bin jetzt kurz vor 69. Mein Plan ist: Ich habe keinen Plan. Das hat mich übrigens immer vor Ellenbogen geschützt. Ich wusste immer sehr viel besser, was ich nicht wollte, als was ich wollte, das konnte ich immer sehr viel genauer definieren. Aber was es dann werden soll, da bin ich ein offener, neugieriger Mensch. Ich gehe gern auf dünnes Eis, mache gern Dinge, die unabgesichert sind, und versuche zu lernen, diese zu beherrschen. Aber ich habe auch wirklich keine Angst davor zu scheitern, und ich glaube, dass das wichtig ist. Je mehr Angst du vor dem Scheitern hast, desto weniger traust du dich. Der Fokus wird immer enger, alles wird immer kleiner. Trau dich! Scheiter! Fall auf die Schnauze!

Wir trafen Andie MacDowell & Iris Berben im worth it! CAFÉ by L’Oréal Paris in Berlin.

Sind Sie der Meinung, dass es zwingend notwendig ist, dass der Beruf der Berufung entspricht – wie es bei Ihnen zweifellos der Fall ist?

Nein, das glaube ich nicht. Es ist ein besonderer Zustand, aber den sollte man nicht einfordern. Ich denke mal, das ist vielleicht eher die Ausnahme, dass der Beruf die Berufung ist. Ein Beruf kann ja auch etwas sein, was einen großen Platz in deinem Leben einnimmt, aber du kannst ihn trotzdem wirklich abtrennen von deinem privaten Leben. Das kann schon für viele Menschen eine große Hilfe sein, speziell für die Partner (lacht). Ich finde, das ist ein luxuriöser Zustand, den ich habe, dass Beruf Berufung ist. Aber man sollte das nicht von vorneherein als erstrebenswert ansehen und glauben, nur so kann man glücklich werden. Wenn du einen Sinn in deiner Arbeit findest, dann bist du schon sehr nah an einer Erfüllung.

Wer sind Menschen, die Sie in Ihrem Leben inspiriert haben?

Es gibt eine Schauspielerin, Geena Davis – die wird einem vielleicht nichts mehr sagen –, das ist so eine Frau. Oder auch Frauen wie Meryl Streep und Julianne Moore. Ich durfte sie alle kennenlernen, und da merkst du: Das, was du über sie gehört und gesehen hast, deckt sich so absolut mit dem, wie sie persönlich auch sind. Also das sind solche Menschen. Aber ich könnte auch meine Oma nennen. Meine Oma ist auch jemand, der mich inspiriert hat, bei allem, was Menschlichkeit bedeutet oder zuhören und aushalten können. Ich könnte meine Mutter nennen, die eine ungeheuer selbstbestimmte Frau war in einer Zeit, in der das sehr ungewöhnlich war.