Nur 28 von 943 Vorstandsposten in den Top-200-Unternehmen waren zum Jahreswechsel mit weiblichen Fachkräften besetzt – ein Anteil von etwa drei Prozent, so die Statistik des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Für die deutsche Wirtschaft bedeutet das brach liegendes Potenzial. Noch erklimmen wenige hoch qualifizierte Frauen die letzten Stufen auf der Karriereleiter. Doch Fakt ist: Je bunter das Management, desto besser das Ergebnis!

Der Widerstand gegen Frauenquoten in den Führungsetagen wird immer leiser. Dem grundsätzlichen Verlangen nach einer Erhöhung des Frauenanteils widerspricht kaum noch ein Spitzenmanager. Kein Wunder, schließlich sind weiblichere und „buntere“ Teams in Unternehmen nicht nur ein Gebot der Gleichstellungspolitik, sondern auch kommerziell erfolgreicher als rein männliche Arbeitsgruppen. Überall wird zur konsequenten Erhöhung des Frauenanteils in der Führungsebene geraten.

Wenn sich Moral und Kommerz zusammentun, sind sie gemeinsam unschlagbar. Die Aussicht, Geld zu verdienen, indem man gute Werke tut, treibt selbst die abgebrühtesten Konzern-Manager zum Schulterschluss mit eifrigen Gleichstellungsaktivistinnen in der Politik. Da braucht es keine Gesetze.

Und so ist Gender Diversity in kürzester Zeit zum Allgemeingut der Personalpolitik von Unternehmen geworden. „Für uns zählt ein effektives Diversity Management zu den wichtigsten Aufgaben – und zwar nicht, weil es politisch korrekt wäre, sondern, weil es sozial und geschäftlich sinnvoll, ja notwendig ist“. Diese oder ähnliche Aussagen hört man immer öfter von den Personalentscheidern für Führungspositionen.

Einseitiges Management

Dennoch sind Frauen in deutschen Chefetagen immer noch Mangelware. Dabei ginge es mit Chefinnen deutlich aufwärts – bezogen auf den Börsenwert und vor allem auf Umsatz und Gewinn.

Denn wo Frauen den Hut aufhaben, wirtschaften Unternehmen effektiver und erfolgreicher als in männerdominierten Firmen. Das ist das jüngste Ergebnis einer Studie von Ernst & Young unter den 300 größten börsennotierten Unternehmen Europas. Und die Erkenntnis ist nicht ganz neu.

Bereits vor knapp vier Jahren stellten die britische Expertinnen Katty Kay und Claire Chipman eine Studie vor, die ergab, dass Firmen mit Frauen im Vorstand sich zu Universalarbeitgebern erster Güte und effektiveren Vermarktern entwickeln. Diese Unternehmen überflügelten schlichtweg Firmen mit wenig weiblichem Spitzenpersonal, so die Autorinnen.

Sie forderten bereits 2008 eine „Womenomics“ – eine ökonomische Revolution, die durch das Potenzial und die Kraft begabter Frauen ausgelöst wird. Stellt sich die Frage, warum nur die wenigsten Unternehmen hierzulande reagieren, warum die Politik die Frauen nicht stärker unterstützt und damit ein Konjunkturprogramm der etwas anderen Art entwickelt?

Frauen ziehen Frauen an

Andere Länder machen vor, wie es geht. In Irland sind immerhin 28 Prozent der Vorstandsposten weiblich besetzt. 83 Prozent der Unternehmen haben mindestens eine Top-Managerin in ihren Reihen.  Eine Analyse des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hatte Ende 2011 gezeigt, dass ein hoher Frauenanteil motivierte und aufstiegsorientierte Mitarbeiterinnen anziehe. Auch andere Studien stützen das Bild, dass Unternehmen mit Frauen Vorteile hätten, weil schlicht die Mischung leistungsfähiger mache.

So wiesen US-Forscher nach, dass der Mix sogar wichtiger sei als die Intelligenz der Mitglieder. Der Grund dafür liege im besseren „sozialen Gespür“ der Frauen, das sich positiv auf Gruppenprozesse auswirke. Bislang, so sagen Wissenschaftler, haben sich diese Erkenntnisse und ein neues Denken bei den Konzernen aber noch nicht durchgesetzt.

Leichter Aufwärtstrend

Immerhin: In den deutschen Aufsichtsräten sind Frauen inzwischen stärker vertreten. Der Anteil stieg auf knapp zwölf Prozent, besagt das Managerinnen-Barometer des DIW. Meist gehören die Aufsichtsrätinnen aber der Arbeitnehmerseite an, nur wenige wurden von Kapitalseite berufen.