Wir alle unterscheiden uns nach Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft, Nationalität, Religion und Weltanschauung, Behinderung, sexueller Orientierung und Identität.

Wir als Gesellschaft stehen zurzeit wieder an dem Punkt, an dem wir fragen, wie viel Vielfalt tragbar ist. Welche Vielfalt wir akzeptieren oder zur Not tolerieren und welche Gruppen lieber vor der Tür warten sollen. Weil wir Angst haben. Davor, unsere eigene Kultur zu verlieren, unseren Wohlstand einzubüßen, und überhaupt vor den ganzen Herausforderungen und Veränderungen, die wir noch gar nicht greifen können.

Wichtig ist, dass sich die Unternehmenskultur allgemein für mehr Vielfalt öffnet.

Dabei ist jetzt die Zeit, die Weichen für ein konstruktives und produktives Miteinander zu stellen. Vielfalt wird immer ein Teil von Deutschland sein, wir müssen sie als Ressource wahrnehmen und bewusst in Wirtschaft und Gesellschaft miteinbinden. Ja, nicht jeder Flüchtling ist eine Fachkraft, und ja, es gibt kulturelle Unterschiede, die auch zu Konflikten führen werden.

Doch lohnt es sich, ihnen eine Chance zu geben, sie aufzunehmen und ihnen zu ermöglichen, sich in unserem Land eine Zukunft aufzubauen. Damit sie der Gesellschaft auch etwas zurückgeben können von der Hilfsbereitschaft, die sie hier erfahren haben.

Einige Unternehmen haben bereits Flüchtlinge für ein Praktikum, eine Ausbildung oder in eine qualifizierte Anstellung übernommen. Die Erfahrungen sind überwiegend positiv, auch wenn die erste Zeit vielleicht mehr Aufwand bei den Unternehmen bedeutet und kulturelle Missverständnisse auf beiden Seiten aus dem Weg geräumt werden müssen. Aufeinander zugehen, sich der Unterschiede und Gemeinsamkeiten bewusst werden, das ist nötig und möglich, denn nur so kann ein Zusammenarbeiten auf Dauer gut funktionieren.

Ein weiteres und hochaktuelles Thema ist dieser Tage die sogenannte Frauenquote. Eigentlich bezeichnet der Ausdruck eine Geschlechterquote. Doch da es sich um die Aufsichtsräte und oberen Führungsebenen von paritätisch mitbestimmungspflichtigen und/oder börsennotierten Unternehmen handelt, in denen Männer meist überrepräsentiert sind, sind es doch die Frauen, die davon profitieren sollen.

Immerhin ergab eine Recherche des manager magazins im Februar, dass in MDAX-Vorständen häufiger die Vornamen Thomas, Michael und Andreas vorkommen als alle Frauen zusammengefasst. Werden alle deutschen Vorstände verglichen, überholen die Frauen sogar doch die Thomas-Namensträger, jedoch nur äußerst knapp.

So unterhaltsam solche Vergleiche auch sind, ein bitterer Geschmack bleibt. Nun haben am 30. September viele DAX-30-Unternehmen ihre selbst festgelegten Ziele zur Geschlechterquote veröffentlicht. Ein Schritt in die richtige Richtung, und jetzt geht es darum, die Zahlen mit Aktivitäten zu füllen.

Mit Zwang oder Kurzschlussreaktionen lässt sich beim Thema Geschlechterquote sicher nichts erreichen. Wichtig ist, dass sich die Unternehmenskultur allgemein für mehr Vielfalt öffnet, diese nutzt und richtig einsetzt und Modelle zulässt, die sich vom „Old Boys’ Club“ unterscheiden. Die wichtigsten Veränderungen müssen in den Köpfen passieren, damit wir wirklich Chancengleichheit erreichen.

Und damit schließt sich auch der Kreis zu den Flüchtlingen. Solange wir Angst vor dem Neuen haben und nicht differenziert auf die Herausforderungen reagieren, die uns anstehende Veränderungen bereiten können, ist es schwer möglich, einen Wandel zu erreichen – sowohl in Unternehmen als auch in der Gesellschaft.