Die besten Chancen auf einen reibungslosen Wiedereinstieg haben immer noch die Frauen und Männer, die einen ruhenden Arbeitsvertrag haben, bereits während oder nach der gesetzlichen Elternzeit ihre Rückkehr in den Beruf planen und vom Unternehmen „gehalten“ werden wollen. Aber auch hier gibt es häufig Gründe, warum eine Rückkehr in den alten Job nicht mehr möglich ist: ein Umzug der Familie, Arbeitszeiten, die nicht kompatibel sind mit den familiären Anforderungen, oder der Wunsch nach beruflicher Umorientierung. Hier setzen wir an und arbeiten in der Beratung/im Coaching an weiterführenden Lösungen im Einzelfall. Die beruflichen Ausstiegszeiten von Frauen sind durch die Einführung des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes einerseits zwar wesentlich zurückgegangen, zugleich widmet sich ein nicht unerheblicher Teil der Frauen aber auch weitaus länger der Familie und den Aktivitäten rund um die Familie, zum Beispiel im Ehrenamt. Sie halten so dem Hauptverdiener den Rücken für seine berufliche Entwicklung frei.

Der berufliche Wiedereinstieg nach längerer Ausstiegsdauer ohne Anbindung an einen Arbeitgeber ist schwieriger. Längere Planungsphasen sind nötig: Die Familie und das Umfeld müssen ins „Boot“, es gilt die Betreuung der Kinder zu sichern, der Bedarf einer Zusatz- oder Anpassungsqualifizierung muss ausgelotet werden.

Besondere Hürden haben Alleinerziehende zu nehmen. Sie leben oft in wirtschaftlich unsicheren Verhältnissen und sind durch Trennung/Scheidung stark belastet. Aufgrund des veränderten Unterhaltsrechtes müssen Frauen aus finanziellen Gründen heute früher eine Erwerbsarbeit aufnehmen. Das Ergebnis ist in aller Regel eine Teilzeitbeschäftigung. Die Betreuung der Kinder ist das A und O bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Vielerorts fehlt es noch an bedarfsgerechten und erweiterten Betreuungsmöglichkeiten.

Der berufliche Wiedereinstieg kann also dauern: Selbstbewusstsein aufbauen, den Blick auf die eigenen Stärken und Kompetenzen richten, Unterstützungs- und Vernetzungsmöglichkeiten im Umfeld ausloten und alles unter einen Hut bringen. Dabei unterstützen wir die Frauen.

Die Frage der Vereinbarkeit ist ein höchst individuelles Thema, das in der Umsetzung auf brauchbare Rahmenbedingungen angewiesen ist und auf der individuellen Ebene den Fokus auf die Stärkung der eigenen Möglichkeiten setzt.

Heute ist ein gemeinsamer Verdienst in vielen Fällen notwendig, um die Existenz der Familie zu sichern. Deshalb muss lebensphasenorientierte Beschäftigung das Modell der Zukunft sein. Reduzierte Arbeitszeit auch in verantwortungsvollen Positionen muss möglich sein. Hier sind Unternehmen/Arbeitgeber gefragt. Die Reduzierung der Arbeitszeit in der „Rushhour“ des Lebens ist immer noch zu oft ein Karrierekiller, auch wenn Programme innerhalb der Unternehmen Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie aufzeigen.

Der Verein BeFF – Berufliche Förderung von Frauen beschäftigt sich in Stuttgart seit nunmehr drei Jahrzehnten mit der Förderung von Frauen im Arbeitsleben mit dem Ziel gleichberechtigter Teilhabe. Seit 1994 ist der Verein Träger der vom Land Baden-Württemberg geförderten Kontaktstelle Frau und Beruf Region Stuttgart.

BeFF unterstützt, berät und begleitet ratsuchende Frauen bei ihrer beruflichen Weiterentwicklung, beim Wiedereinstieg sowie bei der Vereinbarung von Familie und Beruf. Seminare, Workshops und Programme flankieren das Beratungsangebot. Dabei geht es um berufliche und persönliche Stärken, Entwicklungsmöglichkeiten und Ziele, aber auch um die Belastbarkeit bei der Vereinbarung von Beruf und Familie sowie der Life-Work-Balance.

Zum überwiegenden Teil sind Frauen, die sich an uns wenden, gut ausgebildet. Mit Blick auf ihre wirtschaftliche Situation verfügen nicht wenige über eine ungenügende existenzielle Sicherung.

Die Digitalisierung gibt neue Impulse für eine gendergerechte Gestaltung der Arbeitswelt, denn in vielen Tätigkeitsfeldern ist es nicht mehr von Belang, wo die
Arbeit verrichtet wird. Arbeitsort und Arbeitsplatz werden flexibel. Daraus ergeben sich zahlreiche Chancen und Möglichkeiten zu einer besseren Vereinbarung von Familie und Beruf für Mütter, aber auch für Väter, die mehr Anteil in der Versorgung und Betreuung der Kinder übernehmen möchten.