Was bedeutet Erfolg für Sie?

Dass man etwas macht, was man wirklich gerne macht – etwas, von dem man erfüllt ist.

Ist Erfolg für Frauen etwas anderes als für Männer?

Es sollte keinen Unterschied machen, Erfolg ist Erfolg. Ich merke aber einen Unterschied darin, wie ich Erfolg annehme, ich glaub das geht vielen Frauen so. Es ist fast, als würde ich Entschuldigungen dafür suchen – ich hatte gute Partner, ich hatte Glück, usw. Anstatt mal zu sagen „Ja, das war ich! Den Erfolg hab ich mir erarbeitet!“

Ich hab das Gefühl, bei Frauen ist Erfolg einfach noch nicht so selbstverständlich wie bei Männern. Da muss immer noch dazugesagt werden, dass es sich um eine Frau handelt. Da gibt’s noch viel aufzuholen.

GNT ist für Sie jetzt beinahe zehn Jahre her – wie hat dieser Erfolg Sie verändert?

Puh… mittlerweile hat sich so viel getan, ich hab so viel erlebt! Vielleicht lässt es sich so zusammenfassen: Ein eigenes kleines Unternehmen wie nuruCoffee hätte ich ohne Germany’s Next Topmodel wahrscheinlich nicht gegründet. Ich glaube, ohne diese Erfahrung wär ich heute nicht an dem Punkt. Ich hätte vielleicht nicht den Mut, und ich hätte auch nicht die Menschen getroffen, die mir so viel gezeigt haben – aber wer weiß!? Ich gucke lieber nach vorne als nach hinten.

Mit Ihrem neuen Projekt haben Sie sich einen langersehnten Traum erfüllt.

Total! Das ging eigentlich schon 2009 los, denn seit dem engagiere ich mich bei „Menschen für Menschen“ in Äthiopien und informiere mich über Bildung, Wasserversorgung, Infrastruktur, die Probleme der Frauen, das Gesundheitswesen – wirklich alle möglichen Bereiche. Durch die vielen Reisen nach Äthiopien, habe ich die Schönheit und die Vielfalt des Landes für mich entdeckt. Schnell war mir klar, dass ich das Land meiner Eltern von einer neuen Perspektive zeigen möchte. Die wenigsten Wissen das Äthiopien das Ursprungsland des Kaffees ist. Gemeinsam mit meiner Schwester Sali haben wir beschlossen mit den Menschen zusammen zuarbeiten auf Augenhöhe, an denen möglichst viele Frauen auf fairer Basis beteiligt werden können.  

Daraus wurde nuruCoffee.

Genau. Allerdings dauerte es von der Idee in 2012 dann noch einige Jahre, bis wir soweit waren. Wir sind wirklich hingegangen, „wo der Kaffee wächst“ (lacht), und haben den ganzen Kreislauf von Anfang bis Ende begleitet - von der Pflanze bis zur Tasse. Da steckt wirklich eine ganze Welt drin!

Auf Ihrer Webseite berichten Sie von den Kaffee-Ritualen Ihrer Mutter…

... ja, wir dachten natürlich schon lange vor dem ersten Besuch in Äthiopien, dass wir totale Experten sind! Das hat sich dann schnell gelegt. Denn nur, weil man guten Kaffee trinkt, weiß man noch lange nichts von den Umständen vor Ort, den Eigenschaften der Kaffeepflanze, oder den Lebensbedingungen der Menschen, die Teil dieses Kreislaufs sind. Wie viele Hände – vor allem Frauenhände – unter welchen Bedingungen – an der Tasse Kaffee beteiligt sind, die wir morgens trinken, das ist echt ziemlich unvorstellbar. Als wir das gesehen haben, dachten wir – Sali und ich – sofort: „Das müssen wir machen!“

Nicht gerade die einfachste Geschäftsidee!

Nee, überhaupt nicht! (lacht) Es ist ein umkämpfter Markt, es gibt riesige Marktführer, man braucht starke Logistik, die richtigen Partner… das hat wie gesagt Jahre gedauert. Aber umso stolzer sind wir heute, dass wir das geschafft haben! Wir wurden auch oft gefragt, wieso wir nicht mit unserer Idee zu einem großen Händler gehen – aber das haben wir ganz bewusst NICHT gemacht.

Ich modele ja schon genug; bei nuruCoffee wollte ich  ganz bewusst nicht nur das Gesicht sein. Wir machen wirklich alles selbst, wir kaufen ein, verpacken und verschicken! Das ist nicht nur eine gute Idee, die vielen Frauen hilft – das macht uns einfach richtig Spaß.