Die Finanzmärkte sind seit Jahren im Wandel. Vor dem Hintergrund neuer Regularien, wie das 2007 festgelegte Basel-II-Abkommen, stehen viele mittelständische Betriebe genau wie Banken vor großen Herausforderungen. Banken unterliegen heute strengeren Vorschriften beim Risikomanagement als noch vor zehn Jahren. Einen einfachen Zugang zu Krediten von der Hausbank haben daher oft nur etablierte Firmen mit bester Bonität, kleinstem Risiko und über Jahre gewachsenen, guten Beziehungen. Eine Situation, die Raum für alternative Finanzdienstleister schafft.

Eine weitere Folge der neuen Realitäten ist das gestiegene Bewusstsein für die eigene Eigenkapitalquote der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Diese hat laut KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) in Deutschland seit Anfang der 2000er-Jahre stetig zugelegt. 2005 lag sie im Mittelstand insgesamt bei durchschnittlich rund 22 Prozent, 2016 schon bei komfortablen 30 Prozent.

Die Änderungen, die Basel II mit sich brachte, zwangen viele KMU, sich stärker mit ihren eigenen Risiken und ihrer Bonität auseinanderzusetzen, wollten sie ihren Kreditzugang nicht gefährden. Ein Mittel, um das Eigenkapital zu erhöhen, bieten verschiedene Corporate-Finance-Dienstleistungen. Dazu zählen neben Beteiligungskapital und dem Ver- und Ankauf von Unternehmen und Unternehmensteilen auch Mezzanine-Finanzierungen, unter anderem in Form von stillen Beteiligungen und Nachrangdarlehen.

Wo es neue Regeln gibt, gibt es auch neue Möglichkeiten

Das Wort Mezzanine stammt aus dem Italienischen und bedeutet in der Architektur so viel wie „niedriges Zwischengeschoss“. Unter dem Oberbegriff Mezzanine Capital werden hybride Finanzierungsformen verstanden, die sowohl Charakteristika von Eigen- als auch von Fremdkapital aufweisen. Gemeinsam ist fast allen Ausgestaltungen die Nachrangigkeit gegenüber klassischem Fremdkapital und die Vorrangigkeit gegenüber „echtem“ Eigenkapital. Daneben sind Mezzanine-Finanzierungen in der Regel zeitlich befristet und mit einem Rückzahlungsanspruch ausgestattet.

Die konkrete Form des Mezzanine-Kapitals kann sehr unterschiedlich ausfallen. Das Spektrum variiert von nachrangigen Darlehen über patriarchalische Darlehen mit Mindestverzinsung bis zu vorher vereinbarten Anteilen am Unternehmensergebnis. Aber auch Genussscheine, Options- oder Wandelanleihen sind gängige Spielarten. Je nach Form wird das Mezzanine-Kapital dem Eigen- oder Fremdkapital zugeschrieben. So werden beispielsweise Genussscheine meist als wirtschaftliches Eigenkapital gewertet, Gesellschafterdarlehen zählen hingegen zum Fremdkapital. Weitere Formen sind zudem stille Beteiligungen, Verkäuferdarlehen und Fördermittel.

Klarer Vorteil dieser Finanzierungsform ist, dass das Unternehmen frisches Kapital bekommt, dabei aber unabhängig bleibt, weil Gesellschaftsanteile nicht an Dritte verkauft und dem Kapitalgeber also keine Stimmrechte gewährt werden. Doch bevor ein Kapitalgeber dieses Risiko eingeht, muss sich das betreffende Unternehmen einer sorgfältigen „Due-Diligence-Prüfung“ unterziehen. Das Bestehen dieser strengen Prüfung ist die Voraussetzung für die Kapitalgewährung an das Unternehmen.

Auch weiterhin wird für KMU entscheidend sein, Wege zu finden, um Wachstum und Innovationen zu finanzieren. Neben den vorgestellten Möglichkeiten bieten sich weitere Finanzierungsformen an, wie Leasing und Factoring und seit einiger Zeit Online-Finanzierungsplattformen. Im Endeffekt kommt es darauf an, den richtigen Mix zu finden, um die hohe Abhängigkeit vom klassischen Bankkredit zu mindern und somit weiterhin flexibel und wettbewerbsfähig bleiben zu können.