Wie schön war doch damals der Tag, an dem die Großeltern dem Enkel eine Zukunft im kleinen Buch überreichten; das Sparbuch als Schritt in Richtung Erwachsenwerden, als Startschuss in die Finanzwelt. Das Prinzip war simpel, die Praxis anfassbar – perfekt für „Anfänger“. Zu Geburts- und Feiertagen wurde etwas eingezahlt, die Investmentgrundlage war getaktet, die Zinsen versprachen eine sichere Rendite für die kommenden Jahre. Das Sparbuch war sicher, überschaubar und konstant. Wie sieht es heute aus?

Wie jede andere Branche muss auch die Finanzwelt den technologischen Fortschritt abbilden und veränderte Rahmenbedingungen immer schneller antizipieren. Von der Schreibmaschine  zu kompakten Laptops zu Smartphones mit einer Rechenleistung, die zu Sparbuchzeiten noch Räume voller Rechner benötigte. Von Brieftauben zu Faxgeräten zu Emails, von guten Gedächtnissen zu Kellern voller Karteikarten zu Disketten zu Cloud Systemen.

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

Der Fortschritt hat uns dahin gebracht, wo wir heute sind. Doch jeder Fortschritt fällt klein aus, wenn kein Boden gegeben ist, der ihn stützt. Nach dem Duden ist „Fortschritt“ eine klar „positiv bewertete Weiterentwicklung“ - doch dieses Verständnis ist keineswegs mehr selbstverständlich. Fortschritt wird auch als Bedrohung wahrgenommen, als zwingende Entwicklung, die gerne auch mal schneller ist als man es vielleicht gerne hätte.

Wie steht es um die Deutschen? Wenn es ums Geld geht, erinnern sie etwas an Rehe im Wald: äußerst scheu, möglichst in Deckung – und sehr rudelorientiert. Das Bedürfnis nach Überblick und Sicherheit steckt stark in den kulturellen Wurzeln, was schnelles Umdenken oder neugieriges Ausprobieren nicht leichter macht.

Die Finanzbranche steht vor der Aufgabe, die Anleger vorsichtig an die richtigen – zeitgemäßen – „Futterstellen“ zu locken.  Auf wirklich satte Renditen kann man als „Sparer“ bei einem Zinskurs von unter 0,5 Prozent jedenfalls lange warten – wirklich attraktive Gewinne wurden oft erst mit den neuen Anlagemodellen möglich, die der Wandel mit sich brachte. Heute sprechen wir von Crowdfunding, Risikoportfolios, verschlüsselnden Währungen – inklusive aufregender Preis- und Kursschwankungen. Aber so aufregend das alles auch sein mag – unser Sicherheitsbedürfnis wird so mit Sicherheit nicht befriedigt.

Was kann man machen?

Mit jedem Wandel entstehen nicht nur die „Wild West“-Möglichkeiten, die sich extrem  lohnen können, wenn man bereit ist, extrem viel zu riskieren.  Es gibt es auch smarte Wege,  die neuen Chancen und Risiken in einem vernünftigen Rahmen auszubalancieren. Durch gründliches Informieren und vernünftiges Nutzen moderner Modelle können auch die scheuen Deutschen ihr Geld langfristig anlegen - und von stabilen Renditen profitieren, von denen die „Generation Sparbuch“ nur
träumen konnte.

Natürlich kann und muss das jeder selbst entscheiden. Das Sparbuch ist ja nicht schlechter geworden – es gibt bloß viele neue Möglichkeiten, die besser sind. Darüber sollten sich Großeltern und Enkel im Klaren sein.