Dazu kommt die starke wirtschaftliche Position und Performance Deutschlands – und fertig ist ein anlagestrategischer Tellerrand, über den der deutsche „Otto Normalanleger“ nicht so schnell hinausblickt.

Investitionen sind immer auch Vertrauenssache

Warum auch? In den Jahren stabiler Zinssätze und noch weniger globalisierter Märkte hat das Prinzip der einfachen und sicheren Geldanlage „zu Hause“ immer verlässlich funktioniert. Man bringt sein Geld auf die Bank und kann langfristig und ohne Risiko mit moderaten, aber garantierten Renditen planen. Ein Investment in Bundesanleihen oder deutsche DAX-Unternehmen wurde im Prinzip meist im Rahmen der gleichen „Sparbuch-Psychologie“ realisiert.

Das ist keineswegs despektierlich gemeint – Investitionen sind immer auch Vertrauenssache. Man investiert lieber in das Unternehmen, von dem man oft in den Nachrichten hört, dessen Produkte man im Zweifelsfall selbst benutzt, als in irgendein „vielversprechendes Start-Up“ in Singapur – auch wenn das Investment in dieses vielleicht im ersten Quartal mehr ausschüttet als jenes in fünf Jahren.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass internationale Investments für Privatanleger bis vor einigen Jahren oft schlicht und einfach zu aufwendig und kompliziert waren. Was heute direkt und in Sekunden geht, ging die längste Zeit nur über „die Institutionen“ und jede Menge – meist kostenpflichtige – Bürokratie.

Die Finanzwelt ist ein Dorf

Japaner kaufen vor allem japanische Aktien, Amerikaner bevorzugt amerikanische, da bilden wir in Deutschland keine Ausnahme. Aber heute ist die Analyse internationaler Märkte und Anlagebedingungen auch für Privatanleger mehr oder weniger in Echtzeit möglich; die Finanzwelt ist im Sinne des „Global Village“-Gedankens weiter als manch andere Branche.

Je mehr also auf internationalem Parkett möglich ist, umso mehr sind deutsche Anleger gut beraten, sich einfach mal umzuschauen -  und den Anlagehorizont eventuell den neuen Realitäten anzupassen. Denn in dem Maße, in dem verlässliche Finanzstandards sich international durchsetzen, werden alle – also auch „heimische“ – Unternehmen automatisch immer „globaler“. Aus Investorensicht sind die Unterschiede zwischen dem Start-Up aus Singapur und dem aus Recklinghausen bald vielleicht gar nicht mehr so groß.