Laut dem „Capital Confidence Barometer“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young plant jedes zweite Unternehmen hierzulande eine Übernahme. Akquisitionen mit deutscher Beteiligung im Jahr 2017 überstiegen mit 122,6 Milliarden Euro das Vorjahr bereits um mehr als ein Fünftel.

Immer mehr zum Treiber werden disruptive Technologien – 39 Prozent der deutschen Manager sehen sie als größtes Geschäftsrisiko. Jetzt geht es – gerade für die relativ teuren und hochwertigen deutschen Produkte – darum, technologisch vorne mit dabei zu sein oder sogar den Standard zu setzen.

Druck zu mehr Innovation

Durch die Globalisierung ist ein zunehmender Wachstumsdruck für Unternehmen entstanden. Darüber hinaus versuchen die Mittelständler, auf die rasch voranschreitenden Entwicklungen im Bereich der Industrie 4.0 mit Zukäufen oder Zusammenschlüssen zu reagieren. Inzwischen agieren sie zudem wie Konzerne und akquirieren Start-ups, um sich neue Technologien zu sichern.

Mit kreativer Innovationskraft wollen sie Forschungsdefizite egalisieren und sich fit für die Zukunft machen. Weitere Gründe sind außerdem die gute Konjunktur und die Niedrigzinsphase, sodass deutsche Unternehmen Akquisitionen vorantreiben können.

Käufe auf dem Heimatmarkt

Sie schauen sich für Zukäufe vor allem auf dem Heimatmarkt um: Für 41 Prozent ist Deutschland der Markt, in dem sie am ehesten investieren werden. Unter den Top-fünf-Destinationen befinden sich zudem die traditionell engen Partner USA (16 Prozent), Frankreich (sechs Prozent) und das Vereinigte Königreich (vier Prozent). Aber auch China ist für vier Prozent der deutschen Manager ein Top-Investitionsziel.

Andersherum bleibt der deutsche Markt mit seinem erfolgreichen und innovativen Mittelstand und international aktiven Top-Konzernen attraktiv für Investoren. Das Label „Made in Germany“ übt auf sie immer noch eine enorme Anziehungskraft aus. Wie das vergangene Jahr gezeigt hat, hatten ausländische Kaufinteressenten zunehmend den deutschen Mittelstand im Visier. Auch in diesem Jahr ist mit zahlreichen Übernahmen von deutschen Unternehmen durch ausländische Investoren zu rechnen – vor allem aus den USA und aus China. Es gibt aber auch europäische Kaufinteressenten, zum Beispiel aus Frankreich, Italien und Österreich.

Professionelle Unternehmensübergaben

Hinzu kommt ein weiterer Trend, der den Mittelstand umtreibt: Laut einer Studie der KfW stehen bis zum Jahr 2018 insgesamt 620.000 Unternehmensübergaben im deutschen Mittelstand an. Das sind 17 Prozent aller mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Das Problem: Die Unternehmer setzten sich früher meist zu spät damit auseinander. In der Regel vertrauten sie darauf, dass ein Familienmitglied die Geschäfte weiterführen würde.

Oftmals findet sich jedoch kein verwandter Nachfolger mehr, der das Unternehmen weiterführen will. Immer mehr Firmen holen sich daher inzwischen externes Management ins Haus und professionalisieren auf diese Weise ihre Nachfolge. Auch das treibt die M&A-Transaktionen im Mittelstand zusätzlich an.