Angesichts der Globalisierung überlegen immer mehr mittelständische Unternehmen, bei Veräußerungen auf international agierende Partner zu setzen. Wie bedeutend sind dabei internationale Transaktionen für den Mittelstand geworden?

International ausgelegte M&A Prozesse sind mittlerweile kaum wegzudenken. Deutsche mittelständische Unternehmen agieren zunehmend international. Sei es im Rahmen ihrer Geschäftsbeziehungen oder aufgrund der langfristigen strategischen Ausrichtung. Im Jahre 2017 waren ausländische Käufer an über zwei Drittel aller Übernahmen in Deutschland beteiligt. Staatliche Einrichtungen beobachten diese Vorhaben verstärkt, unter anderem durch das Außenwirtschaftsgesetz oder das Bundeskartellamt.

Welche Vorteile haben sie generell, auch im Vergleich zu den rein inländischen Transaktionen?

Internationale Transaktionsvorhaben erhöhen nicht nur die Anzahl potenzieller Investoren, sondern ermöglichen den ausländischen Partnern den Zugang zum weiterhin sehr gefragten deutschen Mittelstandsmarkt. Ausländische Strategen würdigen dies entsprechend monetär mit höheren Bewertungen. Internationale Investoren verbessern so die eigene Positionierung im Markt.

Auf der anderen Seite sind inländische Transaktionen in der Regel weniger komplex. Es gibt keine sprachlichen oder kulturellen Barrieren, obwohl natürlich unterschiedliche Unternehmensstrukturen aufeinander treffen können. Nationale wie internationale Transaktionen müssen daher stets gut vorbereitet sein.

Für welche Firmen eignen sich Cross-Border-Transaktionen – oder kommen sie für alle in Frage?

Das ist eine sehr gute und wichtige Frage. Wir erleben oft, dass der internationale Partner pauschal wie eine Art weißer Ritter gesehen wird, der die Entwicklung des eigenen Unternehmens verbessert. Je nach Branche muss man aber berücksichtigen, dass andere Nationen in Hinblick auf technologische Entwicklungen einigen deutschen mittelständischen Unternehmen schon voraus sind.

Umgekehrt profitieren deutsche Unternehmen weiterhin vom besonderen Ruf der Marke „Made in Germany“. Sie steht für Produktqualität, Verlässlichkeit und Disziplin. Internationale Partnern schätzen das. Momentan sehen wir Trends hinsichtlich bestimmter Branchen und Regionen, die als Indikator für Cross-Border Transaktionen funktionieren.

In Bezug auf Compliance und Kulturen können hier oft verschiedene Welten aufeinander prallen. Wie gelingt eine harmonische Zusammenarbeit?

Das Thema Compliance ist in den letzten Jahren wichtiger geworden. Staatliche Regularien haben das Thema bewusst in den Mittelpunkt gestellt. Gerade der deutsche Mittelstand hinkt hier noch hinterher. Im Rahmen von M&A-Transaktionen kann dies unter Umständen zu Verzögerungen führen. Besonders, wenn man börsennotierte Partner auf der Gegenseite hat, die deutlich strengeren Auflagen unterliegen. Firmen sollten dieses Thema von Beginn an auf dem Radar haben. Eine saubere Aufarbeitung und Vorbereitung ist hier essentiell.

In Bezug auf die Kultur haben wir in den letzten Jahren Transaktionen unter anderem mit Japan, China und USA durchgeführt. Es gibt nicht die eine Strategie. Oft hilft es schon, Neugierde zu zeigen genauso wie Toleranz, wenn Abstimmungen nicht so laufen wie man es sich vorstellt. Immerhin gilt es, zwei Unternehmen zusammenzuführen. In diesem Prozess sollten beide Seiten Interesse an der anderen Kultur zeigen.

Es kann zu Unstimmigkeiten kommen. Aber diese helfen bekanntlich, neue gemeinsame Wege zu definieren.

Jedes Unternehmen verfügt über Patente oder Know-how zu bestimmten Technologien oder Dienstleistungen. Was ist zu bedenken, wenn man sich einen neuen Partner an Bord holt?

Entscheidend sind Antworten auf die Fragen: Wem gehören diese Patente? Sind Mitarbeiter involviert und wie sind dazu die Regelungen? Gibt es Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit den Patenten? Was passiert, wenn Patente auslaufen? Der Schutz der Technologie ist oftmals ein wesentlicher Punkt im Rahmen von M&A-Transaktionen. Unerlässlich ist, dass die Unternehmen auf eine saubere Dokumentation zurückgreifen können. Bei signifikanten Risiken kommt es sogar zu einem Abbruch von Gesprächen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen in Bezug auf Unterschiede in der Rechnungslegung?

Es ist gängige Praxis, dass die Käuferseite sich entsprechend Berater zur Seite holt, die sich in der jeweiligen Rechnungslegung des Landes auskennen. Hier kann es Faktoren geben, die relevant für die Bewertung eines Unternehmens sind. Dies klärt man in der finalen Verhandlung.

Last, but not least – der Mensch. In wieweit sind Mitarbeiter von Cross-Border-Transaktionen betroffen?

In Zeiten der nahezu Vollbeschäftigung hierzulande stehen Unternehmen für weiteres Wachstum vor dem Problem, gute und qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Der Mitarbeiter ist und bleibt einer der wichtigsten Treiber, den ein Unternehmen hat. Diese Meinung vertreten Veräußerer genauso wie Erwerber. Beide sind daher bemüht, dass die Mitarbeiter sich in den neuen Organisationen wohlfühlen und an Bord bleiben. Dies ist eine der größten Herausforderungen nach einer Transaktion.

Nach unserer Erfahrung ist die Mehrheit der Mitarbeiter aufgeschlossen gegenüber neuen Eigentümern oder Übernahmezielen. Sie sehen darin primär eine Chance für das Unternehmen und somit für sich selbst.