Andere Länder, andere Sitten – könnte man meinen. Aber auch die vorsichtigen Deutschen merken immer mehr, welche Vorteile Zahlungsmittel haben, die man nicht schwer in seinem Portemonnaie herumtragen muss. Hierzulande kramen zwar immer noch zahlreiche Verbraucher Münzen und Scheine hervor. Viele haben aber längst die Vorteile der digitalen Finanzmittel erkannt.

Mobiles Bezahlen

Dank der zahlreichen Apps übernimmt dann das Smartphone immer stärker die Rolle eines Portemonnaies. Denn das mobile Bezahlen ist so viel einfacher und schneller. Womöglich entfallen damit langfristig sogar die zahlreichen Plastikkarten, ob nun Kunden- oder Kreditkarten. Die finden sich nämlich bereits gehäuft als Applikation auf dem Handy.

Und entscheidend ist beim Bezahlen nur, dass man genau identifizieren kann, wem welches Bankkonto gehört. Dazu braucht es nicht unbedingt eine Karte. Bekanntlich genügt es heute schon, den Finger aufs Smartphone zu legen, um eine App auf dem Smartphone zu kaufen. So genannte Mobile Wallets sind dann Apps, die Bankkartendetails durch Kamerascans oder eine manuelle Dateneingabe speichern und online oder via Smartphone im Store als Bezahlmethode dienen. Eine neue Richtlinie der EU, genannt PSD2 und seit Januar 2018 in Kraft getreten, verbessert außerdem die Rechtsstellung für Verbraucher in möglichen Betrugsfällen.

Geld in der Cloud

In Zukunft sind damit auch andere Szenarien möglich: Da der bequeme Mensch bereits sämtliche Einkäufe an einem Ort tätigen kann, wäre ein Kombinationstool, das sämtliche monetären Angelegenheiten abdeckt, eine naheliegende Überlegung. Eine solche Geld-Cloud würde zum Beispiel auch Peer-to-Peer-Zahlungen zwischen Privatpersonen ermöglichen. Sie ersetzen den lästigen Kampf um die Münzen und das nervige Aufteilen einer Restaurantrechnung würde entfallen.

Digitale Währungen

Viel diskutiert werden zurzeit auch die so genannten Kryptowährungen: Die digitalen Währungen funktionieren ohne Banken und staatliche Einmischung – stattdessen in den dezentralen Netzwerken von Privatpersonen. Diese neuen Geld-Medien basieren allein auf Algorithmen und haben keine physikalischen Werte wie Gold oder Kontrollinstanzen wie bei den gesetzlichen Zahlungsmitteln. Der Haken: Es ist nicht absehbar, dass Kryptowährungen mit dem aktuellen Finanzsystem verschmelzen. Wer übernimmt dabei die Verantwortung, dass Milliarden an Daten sicher in ein neues System transferiert werden?

Da die elektronischen Zahlungsmittel das Einkaufen erheblich erleichtern, können sie auch verleiten, verschwenderisch zu sein. Wer mit Bargeld bezahlt, merkt schnell, wenn das Portemonnaie dünner und leichter wird. Das ist ganz anders, wenn wir mit einer Karte oder dem Handy bezahlen. Allerdings gibt es auch dafür Apps, die unterstützen, im Budget zu bleiben. Und es ist durchaus möglich, dass in Bezug auf Anonymität Bargeld als Alternative zum transparenten, digitalen System erhalten bleibt. Zumindest der Wunsch nach einem Plan B, nach einer Zahlungsmethode, die keinen Strom braucht, ist sicherlich da. Und schließlich benötigt jeder Kulturwandel seine Zeit.