Welche Gesundheitsprobleme haben Führungskräfte und deren Mitarbeiter heutzutage vorrangig?

Betrachtet man die aktuellen Gesundheitsstatistiken der fünf größten Krankenkassen, so sehen wir einen starken Anstieg im Bereich der psychischen Erkrankungen. Dies hat im Wesentlichen zwei Ursachen: Zum einen schreiben Ärzte erwiesenermaßen heutzutage einen Patienten schneller aufgrund von psychischen Erkrankungen krank als noch vor zehn Jahren.

Zum anderen wirken sich hier die Randerscheinungen der veränderten Arbeitsbedingungen des 21. Jahrhunderts aus. Die durch den digitalen Darwinismus entstandene ständige Erreichbarkeit, die immer mehr geforderte geistige Flexibilität in Bezug auf das schnelle Aneignen von Wissen und das Treffen von schnellen Entscheidungen fordern hier Führungskräfte wie auch ihre Mitarbeiter.

Jedoch sehen wir für die Zukunft nicht nur die Herausforderung der psychischen Erkrankungen. Wie wir wissen, stehen Psyche und Körper neurobiologisch in einer gegenseitigen Abhängigkeit. Hoher Stress wirkt sich beispielsweise unmittelbar auf das Immunsystem und alle damit assoziierten physiologischen Vorgänge aus.

Zudem führen die Muskel-Skelett-Erkrankungen nach wie vor die Statistiken an und verursachen die höchsten Ausfallkosten in Unternehmen. Gerade im Rahmen der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklung werden wir hier weitere Anstiege sehen. Gerade dieses Phänomen ist jedoch sehr leicht zu beeinflussen, da es eine gute und breite Wissenslage zur Beeinflussung der Ursachen von Erkrankungen des Bewegungsapparates gibt.

Wie sieht ein effektives Training aus, um arbeitsspezifischen Belastungen vorzubeugen?

Wir setzen seit mehreren Jahren sehr erfolgreich multimodale Arbeitsplatzprogramme ein, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, den Menschen in den Mittelpunkt stellen, aber auch die Voraussetzungen der Organisation beachten. Hier kombinieren wir wissenschaftliche Trainingsverfahren mit Kompetenzvermittlung in den Bereichen Bewegung,

Ernährung und Psyche. Führungskräfte werden ebenfalls nach ihren spezifischen Beanspruchungen und Belastungen trainiert. Viele Führungskräfte befinden sich bereits in einer frühen Phase von stressbedingten Erkrankungen, hohe Noradrenalinwerte sind hier dauerhaft messbar und ein Zeichen, dass sich die Stressbelastung manifestiert.

Stress ist aber eine normale psychophysische Reaktion und nicht schädlich, wenn man seinem Körper beibringt, mit den Stressreaktionen richtig umzugehen. Eine gute Methode sind hier Entspannungskonzepte, wie zum Beispiel die bewährte Methodik über audiovisuelle Entspannungssysteme in Kombination mit regelmäßigen kurzen Übungen aus der Mentalregulation und dem Coaching.

Vermittelt werden diese Maßnahmen optimalerweise durch Experten, die sich auch ansonsten direkt am Arbeitsplatz um die Mitarbeiter kümmern. Hierzu gibt es mehrere, sehr erfolgreiche Projekte in Deutschland.

Welchen psychologischen Effekt haben betriebliche Sportangebote und das damit einhergehende regelmäßige Training auf die Motivation von Mitarbeitern?

Durch eine Kombination von Sport- und Entspannungsmaßnahmen kann zunächst einmal die geistige Leistungsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit von Mitarbeitern um mehr als 20 Prozent gesteigert werden, wie neurowissenschaftliche Untersuchungen der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zeigen. Durch den mit solchen Programmen entstehenden Anstieg des Neurotransmitters Dopamin im Körper, welcher neben Freude auch für Konzentration und Motivation zuständig ist, wird darüber hinaus auch noch die Arbeitsmotivation im Alltag gesteigert.

Zusätzlich betrachten wir das Thema betriebliche Gesundheit als Transporter, denn dort, wo eine gemeinsame Willensbasis, also das Thema Gesundheit, gefunden wurde, finden auch die richtige Intention und Botschaft seitens des Mitarbeiters und der Führungskraft Platz. Wie immer ist hier nicht nur der Inhalt, sondern auch der vermittelnde Mensch entscheidend, weshalb wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spezifisch schulen, vor allem aber dafür sorgen, dass sie ebenfalls zufrieden sind. Nur so kann sich zusätzlich die Motivation auch noch übertragen.

Wie sieht ein Best-Practice-Beispiel eines Unternehmens aus, das Gesundheitsmaßnahmen für Mitarbeiter ideal umsetzt?

Ein ideales BGM-System in einem Unternehmen beinhaltet verschiedenste Attribute, die beispielsweise auch mit guter und gesunder Führung in Verbindung gebracht werden. Es bietet durch seine Variabilität die Möglichkeit, situativ zu agieren und zu reagieren. Es erfasst das Thema Gesundheit in seiner Gänze und beachtet das Individuum gleichermaßen, wie auch die Organisation mit ihren spezifischen Bedürfnissen.

Da es sich um ein Management- oder Projektsystem handelt, müssen kontinuierliche Entwicklungsschritte und eine Bemessbarkeit gegeben sein. Wir sprechen gerne von zwei Welten, der steuernden Welt und der erlebbaren Welt, die durch das BGM System zu einer „Gesundheitswelt“ verbunden werden.
Gerade unter dem Aspekt dieses Verbindens der Welten müssen auch die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden, wobei der Kontakt von Mensch zu Mensch nie ersetzbar sein wird und sollte.

In einem der größten Finanzdienstleistungskonzerne Deutschlands wird diese BGM Systematik erfolgreich umgesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt.  In dem System werden Top-down- Ansätze mit Bottom-Up-Ansätzen zu einem Hybridmodell verbunden, schaffen breiteste Sensibilisierung durch den Einsatz der Strukturlösung Ansprechpartner Gesundheit, werden individuelle Kennzahlensysteme und – indexe entwickelt.

Ein zentraler Baustein für den Erfolg des BGM-Systems macht die Sensibilisierung der weniger gesundheitsaffinen Mitarbeitergruppen aus. Denn nur wenn diese erreicht und positiv im Hinblick auf ihr Gesundheitsverhalten beeinflusst werden, kann BGM nachhaltig erfolgreich sein. In der Praxis bietet sich hier zum Beispiel eine Kombination von audiovisuellen Entspannungssystemen, welche einen niedrigschwelligen Einstieg in die Gesundheitsthematik bieten mit organisations- und individuumspezifischen Interventionen an.

Das Beste daran: Ein gutes BGM System kostet in der Realberechnung nicht viel, es erwirtschaftet sogar Rendite. In Kombination mit dem Präventionsgesetz gibt es hervorragende Möglichkeiten, nachhaltiges und ganzheitliches Gesundheitsmanagement für Unternehmen aller Größen und Branchen verfügbar zu machen.