Seit dem letzten Jahr stellt Erik K. Stück für Stück Veränderungen fest, auf die drastische Wendungen folgen. An manchen Tagen konnte der Chief Executive Officer eines großen Elektronikimperiums nur noch Halbsätze herausbringen. Auf unerklärliche Weise war sein Wortschatz enorm zusammengeschrumpft. Obwohl er sich schon morgens beim Aufwachen vollkommen zerschlagen fühlte und seine Beine sich kaum noch bewegten, arbeitete er weiter, telefonierte, diktierte, rechnete, schrieb Briefings und rannte im Stechschritt von Termin zu Termin.

Je schwächer er sich fühlte, desto unerbittlicher schwang er die innere Peitsche: „Stell dich nicht so an. Reiß dich verflucht noch mal zusammen!“ Jeder innerliche Hieb eine weitere Tat, ein weiteres Bestehen im Unternehmen, privat und in der Öffentlichkeit. Immer weiter und weiter, und da ist er, der Istzustand. Nennen wir das Kind beim Namen: Burn-out.

Burn-out klingt nach Schwäche, Versagen, Energiemangel, Kontrollverlust, Kapitulation. Dabei sollte diese Erkrankung nicht ausschließlich durch die Mangelbrille betrachtet werden. Hier sollte vielmehr die Kompetenz gewürdigt werden, die in der Erschöpfung und im Zusammenbruch zum Ausdruck kommt. Haben Betroffene wie Erik K. nicht einen überdurchschnittlichen privaten wie auch beruflichen Einsatz gezeigt, bevor das biologische und emotionale System auf die dauerhafte Überlastung reagierte?

Wie alles beginnt

Das Burn-out-Syndrom beschreibt den Zustand totaler psychischer und physischer Erschöpfung am Ende eines langen Prozesses. Burn-out ist kein ausschließlicher Zustand und Resultat von zu viel Arbeit und von der Erschöpfung der eigenen Ressourcen. Der Prozess beginnt paradoxerweise mit einem hohen Maß an Motivation und Erwartung an eine Situation.

Unklare Symptome

Wann hat jemand einen schlechten Tag und wo beginnen die Anzeichen eines Burn-out? Der Kollege ist immer so antriebslos, hat mehrere Versprecher. Die neue Mitarbeiterin wirkt schlagartig überfordert, stürzt sich aber zugleich mit Feuereifer in jedes neue Projekt und zieht die Arbeit an sich. Geht es jemandem oft nicht gut, ist ein Kollege immer wieder krankgeschrieben? Letzteres kann leicht vorkommen, wenn es einen am Beginn der Erkältungszeit erwischt und man es nicht schafft, sich auszukurieren – das ist unangenehm, aber kein Burn-out.

Wenn sich die Symptome häufen und zum Dauerzustand werden, ist Vorsicht geboten. Selbstbeobachtung wie auch Achtsamkeit den anderen gegenüber schaffen die Basis der Prävention. Vorgesetzte können hier besonders viel beitragen. Seitdem Arbeitspsychologie zum arbeitsmedizinischen Pflichtangebot gehört, steht dafür professionelle Unterstützung zur Verfügung. Eine gesunde Führung ist hierbei das Stichwort, die Arbeitspsychologie unterstützt die Verantwortlichen dabei, private Belastungen erkennen zu können, zeitweise Entlastung am Arbeitsplatz kann langfristigen Folgen vorbeugen.