Seit 15 Jahren coacht und begleitet er Führungskräfte. Im Interview spricht er über die mentale Kraft für ein schöneres Leben.

„Gesünder, nachhaltiger, erfüllter“ statt „höher, schneller, weiter“, lautet eines Ihrer Claims. Woher kommt diese Einstellung zum Leben?

Was derzeit in zivilisierten Ländern, in Unternehmen geschieht und was teilweise Menschen heutzutage mit sich machen, ist in meinen Augen zum Großteil krank.

Inwiefern?

Ich zweifle beispielsweise an, dass das immer häufiger auftretende Burn-out-Syndrom wirklich ein Aufbrauchen der körperlichen Ressourcen ist, sondern vielmehr das Sehen der zunehmenden Sinnlosigkeit in der auszuführenden Tätigkeit, was dann mit einem Bore-out zu beschreiben ist. Viele Firmen tragen zusätzlich dazu bei, dass ihre Mitarbeiter nicht zufriedener sind – hoher Leistungsdruck, ständige Erreichbarkeit, häufige Überstunden, um einige Beispiele zu nennen.

Woran liegt das?

Firmen sind zu sehr an Zahlen orientiert, der Umsatz muss immer weiter steigen. Das ist leider ein zu stark akzentuierter Erfolgsfaktor in unserer Gesellschaft. Es gibt auch noch andere: Gesünder, nachhaltiger, erfüllter wären doch auch spannende Ziele eines Unternehmens. Bisher legen viel zu wenige Firmen auf diese Aspekte Wert, obwohl ein gesünderes Unternehmen und zufriedene Mitarbeiter am Ende des Tages auch bessere Zahlen bedeuten.

Sie sind 17-facher Ironman und absolut diszipliniert. Für den Otto Normalverbraucher ein Menschenbild, mit dem man sich nicht vergleichen kann. Wie schaffen Sie es, anderen dieses Gefühl zu vermitteln, alles erreichen zu können?

Es darf immer eine Balance dabei sein. Höher, schneller, weiter ist nicht unbedingt verkehrt. Was aber jeder Leistungssportler weiß, ist, dass du nur besser werden kannst, wenn du regenerierst. Das ist das Prinzip der Superkompensation: Nur wenn du dich erholst, kannst du nach der Regeneration besser werden.

Genau das gleiche Prinzip lässt sich einfach ins Business übertragen: Du kannst nur hoch konzentriert und kreativ sein, wenn es auch Entspannungsphasen gibt. Und hier liegt das Hauptproblem: In der heutigen Zeit nehmen sich die Menschen zu wenig Zeit, um durchzuatmen. Und somit liegt hier auch die Lösung: mehr kurze effiziente Entspannungsphasen im Job.

Wie kann Zeit zum Durchatmen geschaffen werden?

Indem du dir Termine dafür setzt. Sei es eine wirkliche Mittagspause oder ein Powernap – der wirklich wahnsinnig viel bringt, für die Energie der zweiten Tageshälfte.

Warum halten Sie von dem Begriff Work-Life-Balance nicht viel?

Weil er suggeriert, dass es eine Balance von zwei Polen sein sollte, die voneinander getrennt sind. Dabei ist „Work“ ein großer Teil von „Life“. Durchschnittlich arbeiten wir zwölf Stunden am Tag – mit der Fahrt zur Arbeit und nach Hause. Dann muss noch eingekauft werden, die Wäsche darf auch nicht liegen bleiben, eine Stunde wird im Netz gesurft und zwei Stunden ferngesehen. Da bleiben unterm Strich noch ein bis zwei Stunden für „Life“. Wie soll da eine Balance entstehen?

Damit diese funktioniert, darf als Erstes für Zufriedenheit im Job gesorgt werden. Natürlich sollte jeder auch etwas Gutes für sich tun, doch zwei Stunden können nicht kompensieren, was zwölf Stunden energie- und lebensfreuderaubend war. Ich frage bei meinen Seminaren immer: Ist das, was du den Großteil deiner Zeit tust, energiegebend oder -raubend für dich? Raubt es dir mehr Energie, als es dir gibt, solltest du darüber nachdenken, etwas zu ändern.

Wie kann das realisiert werden?

Ein Jobwechsel kann, muss aber nicht die Lösung sein. Oft reicht es aber auch schon, die Abteilung zu wechseln oder Dinge, die einem Energie geben, in den Arbeitsalltag zu integrieren und mehr von den Dingen zu delegieren beziehungsweise abzugeben, die Energie rauben.

Was könnte das sein?

Manchen Führungskräften raubt es unglaublich viel Energie, E-Mails zu beantworten. Als Unternehmer sollte es möglich sein, dies zu delegieren und sich auf das zu konzentrieren, was einem Freude bereitet, wie zum Beispiel Termine mit Kunden.

Sie bezeichnen sich als „Mental Transformer“. Was steckt dahinter? Was meinen Sie damit?

Alles im Leben hat eine mentale Seite. Wenn man Gehirnforschern und Psychologen Glauben schenkt, sind 95 Prozent unserer Handlungen, Gedanken, aber auch von dem, was wir sagen, unbewusst – also auf Automatik programmiert. Heißt im Umkehrschluss, wir sind ganz stark davon geleitet, wie wir unterbewusst ticken, und dies ist sehr stark geprägt von dem, was wir in Kindheit und Jugend erfahren haben.

Das sind sogenannte Glaubenssätze, also unbewusste Verknüpfungen – Erfolg bedeutet …, Reichtum bedeutet … oder Liebe bedeutet … Wir haben durch unsere Erziehung beigebracht bekommen, dass, wenn wir leisten, wir auch liebenswert sind: „Wenn du dein Zimmer aufräumst, darfst du Fernsehen gucken!“ … „Wenn du eine Eins schreibst, darfst du studieren.“ …

Somit ist konditionierte Liebe für viele da draußen Realität. Wenn jemand mit dem Leben, was er heute führt, unzufrieden ist – egal in welchem Bereich –, dann darf er genau diese Glaubenssätze im Gehirn hinterfragen. Da alle Gewohnheiten unbewusst ablaufen, fällt es uns auch so schwer, diese zu ändern. Es verlangt konzentriertes Denken.

Veränderungen, die ich im Außen haben möchte, darf ich als Erstes im Inneren vollziehen. Und das ist die härteste Aufgabe überhaupt, in sein Innerstes zu gehen und sich selbst zu reflektieren: Was tue ich jeden Tag? Was denke ich jeden Tag? Wie geht es mir wirklich? Was immer mehr Menschen lernen dürfen, ist, sich so anzunehmen, wie sie sind. Keiner ist nur seiner Leistung wegen liebenswert.

Was möchten Sie Führungskräften mit auf den Weg geben?

Alles im Leben ist bipolar: Wenn ich anspanne, darf ich auch entspannen. Wenn ich hart bin, darf ich auch mal weich sein. Gerade die Männer und das das mit Männern verbundene Leitbild – ich muss hart sein, ich muss leisten – ist bei vielen so stark eingeprägt, dass es sie krank macht.

Ich gehe mit meinen Seminarteilnehmern immer auch in die Natur, damit sie sich mal wieder selbst spüren. Das höre ich nämlich sehr häufig, dass viele Manager vergessen haben, wie es ist, sich selbst zu spüren. Sich bewegen und meditieren oder einfach nur still genießen können, das rate ich jedem.