Beim Thema Gesundheitsvorsorge denkt man oft zuerst an die persönliche Verantwortung eines jeden Einzelnen. Was kann man denn tun, um leistungsfähig zu bleiben?

Ich glaube, dass es generell wichtig ist, überhaupt ein Gesundheitsbewusstsein zu entwickeln. Erst dann richtet man seinen Lebensstil zum Beispiel auf eine gute Ernährung und ein sportlich aktives Leben aus. Wie das geht, also zum Beispiel öfter mal einen Spaziergang zu machen oder zum Mineralwasser statt zur süßen Cola zu greifen, weiß im Grunde jeder.

Vielen bleibt angeblich keine Zeit, etwas für ihre eigene Gesundheit und ihr eigenes Wohlbefinden zu tun. Wer sagt, er hätte dafür keine Zeit, meint eigentlich: „Es ist mir nicht wichtig genug!“ Einige weckt dann meistens erst der Schmerz auf, ihren Lebensstil zu ändern und achtsamer mit sich zu sein, wenn sie beispielsweise den ersten Bandscheibenvorfall oder Herzinfarkt erleiden.

Schnell wird klar, dass Gesundheit unser höchstes Gut und das wichtigste Kapital jedes Einzelnen ist. Sie ist die Grundvoraussetzung, um zur Arbeit zu gehen, Einkommen zu generieren und nur dadurch einen entsprechenden Lebensstandard zu sichern.Um gesund und leistungsfähig zu bleiben, können Gesundheitsexperten unterstützen. Sie können individuelle Wege aufzeigen, um das richtige Maß von Belastung und Regeneration in den Berufsalltag des Einzelnen sinnvoll zu integrieren. So kann ich beispielsweise auch mit nur einer Trainingseinheit pro Woche Reize setzen, um effizient mein Herzkreislauf-System und meine Muskulatur zu trainieren.

Sie sagen, das Thema Mitarbeitergesundheit sollte gerade für Geschäftsführer ganz oben auf der Agenda stehen – warum?

Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist bereits im Arbeitsschutz verankert. Die Wurzeln liegen in der Ottawa-Charta von 1986, einer internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung. Diese formulierte seinerzeit das Ziel plakativ so: „Arbeit ist so zu organisieren, dass sie eine Quelle von Gesundheit ist!“ Da wir in der Firma einen Großteil unseres Lebens verbringen, sollte ihr Setting gesundheitsförderlich gestaltet sein.

Dagegen stehen Zahlen, dass besonders psychische Erkrankungen in den industrialisierten Ländern auf dem Vormarsch sind. Laut der EU-Kommission sollen Burn-out und Depressionen 2020 die häufigsten Erkrankungen sein. Daraus folgen Mehrausgaben im Gesundheitssystem, die nicht nur auf Krankenkassen, sondern auch auf Unternehmen zukommen. Was allein aus rein ökonomischer Sicht Unternehmen mehr in die Pflicht nimmt. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels und der zunehmenden Abwanderung von Mitarbeitern erkennt man schnell, weshalb das Thema Mitarbeitergesundheit stärker in den Fokus von Unternehmen gerückt werden sollte. Studien zeigen, dass der Return on Investment für einen Dollar Ausgaben für die Gesundheit der Mitarbeiter zwischen 2,75 bis 3,75 Dollar liegt.

Weitere Untersuchungen von Gallup zeigen, dass ein Unternehmen im Schnitt das 1,5-Fache des Jahresgehaltes eines Mitarbeiters aufwenden muss, um ihn gleichwertig zu ersetzen. Die Summe geht also schnell in den sechsstelligen Bereich. Die Nachbesetzung ist ein viel höherer Kostenaufwand als die überschaubare Investition in die Gesundheit.

Ich erlebe viele Unternehmen, die in ihrer Wertschöpfungskette ihre Potenziale in den Bereichen Prozessoptimierungen, QM-Prozesse, Maschinenparks und so weiter zu 99,9 Prozent optimiert haben. Das größte Potenzial für mehr Wirtschaftlichkeit, Innovations- und Zukunftsfähigkeit liegt daher, aus meiner Sicht, nun im Faktor Mensch.

Gerade die High-Performer, wie zum Beispiel Fachkräfte in einem Unternehmen, sind oft über die Maßen belastet. Warnsignale werden schnell übergangen. Was ist die Konsequenz?

Ich vergleiche das immer gerne mit einem Auto. Stellen Sie sich einen schönen Mercedes-Benz W196 Oldtimer vor, im Wert von 25 Millionen Euro. Eine tolle Kapitalanlage, wenn man ihn immer gut gepflegt hat. Nehmen Sie jetzt Ihr heutiges Fahrzeug. Es gibt Ihnen Warnmeldungen, wenn beispielsweise der Tank leer ist oder Sie zur nächsten Inspektion müssen, selbst der Reifendruck wird ständig überwacht. So gibt Ihnen auch Ihr Körper diese Warnmeldungen beispielsweise schon in Form von Müdigkeit, Schmerzen oder Schlafstörungen. High-Performer ignorieren sie gern. Die Konsequenz ist, dass Ihnen früher oder später der Sprit ausgeht und der Körper einen zurück auf den Boden der Tatsachen holt. Wie wichtig einem diese eigene Kapitalanlage ist, entscheidet jeder selbst!

Vorsorge kann unter Umständen nicht nur Fachkräfte binden, sondern Leben retten. Haben Sie ein konkretes Beispiel?

In mehr als zehn Jahren Erfahrung, nach über 13.000 Gesundheitschecks konnten wir in etwa zehn Prozent aller Fälle gravierende gesundheitliche Probleme feststellen. In weiteren zehn Prozent wurden sogar lebensbedrohliche Veränderungen, die nach außen noch unauffällig waren, diagnostiziert. Ich erinnere mich an eine junge Führungskraft, Ende 30, wo ein kleiner Knoten in der Schilddrüse festgestellt wurde. Dieser hätte sich innerhalb von Monaten als tödlich erwiesen. Dank Vorsorge, Früherkennung und schneller Reaktion ist das Leben des jungen Mannes gerettet worden. Die Wertschätzung dieses jungen Mitarbeiters gegenüber seinem Arbeitgeber, der ihm diese Vorsorge ermöglichte, ist unbezahlbar.