Prof. Dr. Danzer, worauf gilt es zu achten, um Nachwuchskräften das ideale Werkzeug für den späteren Alltag mitzugeben?

Es macht aus unserer Erfahrung Sinn, eine medizinische Fakultät einzubinden und wöchentliche Kliniktage einzuführen. So lernen die Studierenden den realen Klinikablauf kennen und erleben die psychosozialen Themen der Patienten hautnah. Die Beschäftigung mit den Lerninhalten sollte möglichst in kleinen Gruppen durch moderne, interaktive Lehr- und Lernformen erfolgen.

Persönlichkeit statt NC!

Dabei kann besonders das „Problemorientierte Lernen“ (POL) dem strukturierten Informations- und Meinungsaustausch sowie dem selbstmotivierten Wissenserwerb dienen. Auf der Grundlage von realen Fällen fördert POL bei Studierenden das eigenständige Lernen und sorgt dafür, Inhalte besser zu verstehen und zu behalten.

Der Kliniktag sollte anschließend systematisch reflektiert werden. So lässt sich ein maximal an der Praxis, am Patienten und der späteren Berufstätigkeit orientiertes Studium umsetzen. Wir  haben damit an der MHB gute Erfahrungen gemacht.

Wie haben Bewerber auch ohne Top-Numerus-clausus (NC) eine Chance?

Unter dem Motto „Persönlichkeit statt NC!“ erfolgt die Auswahl der Studierenden an immer mehr Hochschulen nach personalen Kriterien, nicht nach Abiturnoten. Motivation, Praxis-erfahrung und Persönlichkeit spielen neben formalen Voraussetzungen eine zunehmend größere Rolle. Haben wir zum Beispiel den Eindruck, dass die Bewerber gut zu uns und unseren klinisch orientierten und praxisnah ausgerichteten Studiengängen passen, laden wir sie zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch ein.

Wie bekommen junge Leute, die ein Psychologiestudium finanziell nicht stemmen können, dennoch die Möglichkeit durchzustarten?

Damit das Studium nicht an der Finanzierung scheitert, sondern eine Frage der Persönlichkeit und Eignung bleibt, gibt es Stipendien sowie die Möglichkeit einer nachgelagerten und einkommensabhängigen Finanzierung. Durch das Salus-Stipendien-Programm etwa steigen unsere besten Absolventen direkt nach dem Studium in das Berufsleben ein. Es schließt eine garantierte Übernahme in die Klinik inklusive Gehalt sowie weitere finanzielle Unterstützung für die Therapieausbildung ein. Für die Studenten bedeutet es Planungssicherheit und Jobgarantie, für die Klinik den Gewinn einer hoch qualifizierten Fachkraft.