22.34 Uhr

"Gerade im Dauereinsatz hilft es uns, dass wir ein eingespieltes Team sind."
Stefan Riemann, Sanitäter

Plötzlich geht alles ganz schnell. In einem Moment wird Martin Ebert noch schwarz vor Augen. Im nächsten, als er wieder zu sich kommt, liegt er bereits auf einer Trage. Um ihn herum sind Sanitäter in einem Rettungswagen. „Seine Frau hatte uns angerufen“, sagt Sanitäter Stefan Riemann. „Es besteht Verdacht auf Herzinfarkt und wir bringen ihn jetzt sofort in die Notaufnahme der Klinik.“

Riemann weiß vorher eigentlich nie, wie seine Nachtschicht im Rettungswagen verläuft. „In einer Nacht ist gar nichts los. Am nächsten Tag gibt es in Serie Vorfälle wie Motorradunfälle oder schwere Verletzungen nach einer Messerattacke. Gerade im Dauereinsatz hilft es uns, dass wir ein eingespieltes Team sind.“

22.51 Uhr

Der Rettungswagen ist in der Notaufnahme angekommen. Für die Untersuchung stehen Internist Dr. Ulrich Schmitz und Pflegerin
Stephanie Langner schon bereit. Fälle wie Verdacht auf Herzinfarkt werden bereits vom Rettungswagen angekündigt.
Eben hatten die beiden noch in der Schaltzentrale gesessen. Auf einem Dashboard laufen dort alle Informationen zusammen. Pfleger und Ärzte rufen hier chronologisch auf einem großen Bildschirm sämtliche Informationen zu jedem Patienten auf, der sich augenblicklich in der Notaufnahme aufhält oder in den vergangenen Stunden dort eingetroffen ist.

"Viele Menschen haben erst einmal Angst. Wir helfen auch, sie mit gutem Zureden zu beruhigen oder einem kleinen Scherz aufzumuntern. Der zwischenmenschliche Aspekt spielt eine große Rolle."
Stephanie Langner, Pflegerin

„Jeder Schritt wird von uns dokumentiert und ins Computersystem eingegeben“, sagt
Dr. Schmitz. „So macht sich jeder schnell ein Bild und trifft im Notfall die richtigen lebensrettenden Entscheidungen.“

22.58 Uhr

Martin Ebert liegt im Krankenzimmer, das für 14 Notfallpatienten Platz bietet. Stephanie Langner nimmt bei ihm Blut ab und übergibt die Probe einem Boten, der sie ins hauseigene Labor bringt. Dr. Ulrich Schmitz wirft einen Blick auf die Werte eines ersten EKGs. „Die sehen erst mal unauffällig aus. Wir behalten ihn aber hier und überprüfen das erneut in drei Stunden.“

Auch für ihn ist jede Nacht anders und die Ereignisse sind nicht vorhersehbar. Neben Fachwissen, Konzentration und Erfahrung ist für alle Kollegen wichtig, bei aller Hektik des nächtlichen Betriebs, nicht nervös zu werden und gleichzeitig mehrere Patienten zu versorgen.

23.35 Uhr

"Wir helfen jede Nacht Menschen und retten ihr Leben. Ich bin erschöpft, aber ich weiß jedes Mal, dass sich der Einsatz gelohnt hat."  
Dr. Ulrich Schmitz, Internist

Im Warteraum wartet bereits eine junge Frau, die über Schwindel und Unwohlsein klagt. Ein Mann ist auf einer Feier gestürzt. Sein Fuß ist verknackst oder sogar gebrochen. Stefan Riemann vom Rettungsdienst bringt einen kleinen Jungen mit heftigen Bauchschmerzen, der von seiner Mutter begleitet wird. Noch ist der Grund unklar. Auf einer Liege schlummert ein volltrunkener Mann, der seinen Rausch ausschläft.

„Viele Menschen haben erst einmal Angst. Wir helfen auch, sie mit gutem Zureden zu beruhigen oder mit einem kleinen Scherz aufzumuntern. Der zwischenmenschliche Aspekt spielt eine große Rolle“, sagt Stephanie Langner. Es ist kurz vor Mitternacht. Gerade ist ein wenig Ruhe eingekehrt. „Oft nehmen wir bereits Blut ab und erstellen ein EKG, damit der Arzt so schnell wie möglich die richtige Diagnose stellen kann.“

3.25 Uhr

Wieder bringt der Rettungswagen einen Notfall. Ein Autofahrer ist in die Leitplanken geschlittert und wurde beim Aussteigen von einem anderen Fahrzeug erfasst. Seine Verletzungen in Brust und Beinen sind so gravierend, dass Dr. Ulrich Schmitz und sein Team ihn nur akut behandeln und seinen Zustand stabilisieren. Danach wird er sofort in die chirurgische Abteilung zur Operation überstellt. Je später die Nacht, desto weniger Patienten kommen jedoch inzwischen.

6.35 Uhr

Dr. Ulrich Schmitz spricht mit Maria Ebert, der Ehefrau des Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt. Dieser hat sich allerdings nicht bestätigt, sodass Martin Ebert nach der Entwarnung wieder entlassen werden kann.

7.02 Uhr

Draußen wird es bereits hell. Die Schicht vom 27. auf den 28. Februar 2017 ist für das Team beendet. Die Mitarbeiter der Station räumen die Behandlungszimmer auf, füllen Materialien auf und bereiten alles für die Frühschicht vor. Insgesamt 59 Patienten jeden Alters und Geschlechts wurden behandelt.

„Einige Fälle könnten natürlich sinnvoller in der Arztpraxis gelöst werden“, so das Fazit von Dr. Ulrich Schmitz. Nicht selten braucht jemand nur einen warmen Platz, um seinen Drogenrausch auszuschlafen. „Wir helfen jede Nacht Menschen und retten ihr Leben. Ich bin erschöpft, aber ich weiß jedes Mal, dass sich der Einsatz gelohnt hat.“