Allerdings hat dieses Verhalten nichts mit bloßem Anwesenheitswahn zu tun. Viele der befragten Manager gaben an, ihr Arbeitspensum sei ohne Zwölf-Stunden-Schichten gar nicht mehr zu schaffen. Echte Führungsaufgaben wie Vision, Strategie und Umsetzung bleiben auf der Strecke.

Fragt man Führungskräfte nach Möglichkeiten, den Krankenstand und damit auch die Kosten zu senken, geben 81 Prozent an, dass nur ein etabliertes Gesundheitsmanagementsystem helfen kann. Eine gesundheitsbewusste Führung im Unternehmen ist längst ein Erfolgsmultiplikator, der zu einer nachhaltigen und positiven Leistungsspirale der Mitarbeiter und damit auch des Unternehmens führt.

London Underground macht`s vor

Ein gutes Beispiel dafür ist die London Underground. Seitdem das Unternehmen auf eine gesundheitsbewusste Führung setzt und seine Vorgesetzen auf Früherkennung und stressreduzierende Arbeitstechniken geschult hat, haben sich die Personalkosten jährlich um 455.000 Pfund reduziert.

Gesundheitsbewusste Mitarbeiterführung fängt beim Chef an.

Die neue, gesundheitsbewusste Führungsmethode schafft eine Win-Win-Situation, von der sowohl die Mitarbeiter als auch die Führungskräfte und das Unternehmen selbst profitieren. Wichtig ist, dass dem Ganzen nicht bloß ein neues Etikett „Gesundheitsgeprüft" aufgeklebt wird. Es bedarf vor allem eines guten Vorbilds, denn kein Mitarbeiter wird gesünder leben, wenn sein Vorgesetzter nicht mitzieht. Gesundheitsbewusste Mitarbeiterführung fängt beim Chef an.

Wartung statt Reparatur

In vielen Unternehmen steht heute vor allem die Erfüllung kurzfristiger Plan- und Gewinnziele im Vordergrund. Dass der Einzelne möglicherweise mit seiner Aufgabe überfordert ist, wird oft erst bemerkt, wenn Leistungsfähigkeit und Produktivität sinken – wenn also im übertragenen Sinne der Motor bereits stottert. Im Falle von Fahrzeugmotoren ist hinlänglich bekannt, wie wichtig eine regelmäßige Wartung ist, damit das Fahren auch auf lange Sicht Freude bereitet.

Veränderung heißt immer auch, sich aus dem Gefühl der Sicherheit zu entfernen und neue Wege zu gehen.

Warum aber hat sich dieses Prinzip nicht auch bei der Mitarbeiterführung durchgesetzt? Der Motor der Mitarbeiter dreht allzu oft besorgniserregend im roten Bereich. Während der Vorsorge- oder Präventivansatz im Management bei Maschinen ganz selbstverständlich angewendet wird, bleiben die Angestellten und ihre Leistungsfähigkeit zu oft außen vor.

In jedem Maschinenbau-Studium wird den Studenten beigebracht, dass es immer kostengünstiger ist, eine Maschine zu warten, als sie später zu reparieren – und zwar in der Regel im Verhältnis 1:10. Das heißt: Für jeden Euro, der in die Wartung einer Maschine fließt, werden 10 Euro Reparaturkosten eingespart.

Neue Wege gehen

Einige Führungskräfte haben erkannt, dass es sich auch bei der Mitarbeiterführung lohnt, darauf zu achten, die Funktionstüchtigkeit – in diesem Falle die Gesundheit – durch eine achtsame, gesundheitsintegrierte Führung zu erhalten. Doch wie gelingt das? Veränderung heißt immer auch, sich aus dem Gefühl der Sicherheit zu entfernen und neue Wege zu gehen.

Und hierfür braucht es engagierte Führungskräfte, die sich für die Gesundheitsprogramme einsetzen und auch aktiv daran teilnehmen. Denn nur so lassen sich die Mitarbeiter ebenfalls zur Teilnahme motivieren – mit Mut, Elan und Führungskräften, die neue Wege gehen.