Doch was genau macht die Menschen krank und wie kann man Burnout, Depression und Stress vorbeugen? Interview mit Renate Schlusen.

Frau Schlusen, wodurch nimmt die Zahl von erschöpften Menschen tatsächlich zu?

Viele unserer Lebensbereiche haben sich verändert, alles ist schneller geworden – und vieles komplexer. Diese Veränderung in Verbindung mit dem Anspruch, mehr in gleicher Zeit zu bewältigen, sowohl im Privatleben als auch bei der Arbeit, bedeutet eine körperliche und geistige Forderung, die manchmal überfordert.

Worin lauern Gefahren für erhöhten gesundheitsgefährdenden Stress?

Die ständige Erreichbarkeit, durch E-Mails oder Smartphones führt zu einer noch intensiveren Verschmelzung von Berufs- und Privatleben. Die Verdichtung von Inhalten und Prozessen hat zu einer erheblichen Veränderung von Stressoren beigetragen, denen man in der heutigen Arbeitswelt ausgesetzt ist.

Knapp 25 Jahre nach Einführung der elektronischen Möglichkeiten spüren und benennen wir jetzt auch gesundheitliche Folgen. Diese Stressoren führen zu einer Veränderung der Belastung und zu einer Zunahme von Erkrankungen.

Wie kann psychische Belastung am Arbeitsplatz vermieden werden?

Entscheidend ist aus meiner Sicht das Arbeitsklima. Da spielen viele Faktoren zusammen: Ein guter Führungsstil mit Lob und Respekt, gegenseitige Unterstützung, transparente Abläufe, eine ausgewogene Work-Life-Balance ebenso wie Forderung und Förderung von Individualität und Kreativität. Ein ganzheitliches Betriebliches Gesundheitsmanagement wirkt auf all diese Punkte positiv ein.

Was macht für Sie ein „ganzheitliches Betriebliches Gesundheitsmanagement“ aus?

Ein ganzheitliches Betriebliches Gesundheitsmanagement konzentriert sich nicht nur auf die Person. Es hat auch immer das Zwischenmenschliche im Fokus. Ausschlaggebend sind Maßnahmen wie Ernährungsberatung, Gesundheitstagen und -coaching, umfangreiche Sport- und Wellnessangebote, verschiedene medizinische Präventionsangebote, die Gestaltung der Arbeitsplätze nach neuesten ergonomischen Erkenntnissen und die Einzelberatung bei persönlichen Problemlagen.

Werden die Optimierung von Prozessabläufen, der Umgang miteinander optimimiert und das Herstellen einer einheitlichen Sprachwelt gewährleistet, kann man von einem ganzheitlichen Betrieblichen Gesundheitsmanagement sprechen. Für diesen Ansatz wurden wir in der Vergangenheit mehrfach ausgezeichnet.  

Wie kann der Arbeitgeber bei psychisch bedingten Problemen unterstützend helfen?

Wichtig ist zunächst der offene Umgang mit dem Thema. In Zusammenarbeit mit dem Münchner Bündnis gegen Depression e.V. haben wir auf der Führungsebene durch gemeinsame Thementage, Vorträge, Ausstellungen und Beratung den Umgang mit Depressionen in den letzten Jahren besprechbar gemacht.

Bei psychischen und psychosomatischen Störungen hilft bei uns dann ein Fachteam in Kooperation mit Ärzten, Therapeuten, Psychologen, Kliniken und anerkannten Beratungsstellen.

Was können Unternehmen gegen Bunout tun?

Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter und das Arbeitsumfeld immer sensibel beobachten, um Warnzeichen frühzeitig zu erkennen. Jeder Fall ist individuell zu bewerten. Ganz wichtig ist der empathische Umgang mit den Betroffenen. Nur wenn mit Verständnis und Fürsorge reagiert wird, ist dem Betroffenen und dem Unternehmen geholfen.

Führungskräfte sollten sich auch die Frage stellen, ob der Burnout auf die Arbeitssituation zurückzuführen ist und wie diese verbessert werden kann. Spaß, Freude und Glück sind die beste Prävention und sollten auch bei der Arbeit vorhanden sein. ­