Hinzu kommt, dass sich bei 80 bis 90 Prozent derer, die chronisch (also länger als drei Monate) unter Rückenbeschwerden leiden, leichte Depressionen einstellen: Der ständige Schmerz führt zu Unbehagen und Angst, das wiederum zu Stress. Dabei wird mehr von dem Hormon Cortisol ausgeschüttet, was zu einem erhöhten Abbau von Eiweiß in den Muskeln führt und diese schwächt.

Leider kommen wir in unserer modernen Zeit um stundenlanges Sitzen nicht mehr herum: Mehr als 24 Millionen Bildschirm-Arbeitsplätze gibt es in Deutschland. Die meisten von uns sitzen rund zehn Stunden am Tag – am Schreibtisch, am Esstisch, im Auto und dann abends im Kino/Theater, vor dem TV oder nochmals am PC. Das macht in einem (Arbeits-)Leben eine Summe von rund 80.000 Sitzstunden aus.

Wir Menschen sind aber von unserer Evolution her nicht für tagelanges Sitzen konzipiert. Kein Wunder, dass die Wirbelsäule gegen den ständigen Mangel an Bewegung rebelliert.

Strategien zur Lösung des Problems

Schon in den 70er Jahren kamen mit dem Sitzball und dem Balans Kniestuhl erste dynamische „Stühle“ auf den Markt. Der Grundgedanke ist, dass vor allem das Stillsitzen den Rücken belastet, denn wir Menschen sind von Natur aus Bewegungswesen; zu viel Stillstand quittiert unser Körper mit Verspannung und Schmerz.
Nun ist es nicht jedermanns Sache, am Schreibtisch auf einem großen bunten Ball zu sitzen.

Auch der „Kniestuhl“ ist inzwischen überholt, denn er bietet seinem Besitzer nur eingeschränkte Beweglichkeit und kann zudem Knieprobleme verursachen. Es gibt jedoch mittlerweile sehr interessante dreidimensionale Sitzkonzepte, die beim Sitzen den Rücken in Schwung bringen und die stützende Tiefenmuskulatur kräftigen.

Erfolgsrezept: Bewegung beim Sitzen

Dynamisches Sitzen hat viele Vorteile gegenüber einem herkömmlichen, statischen Stuhl: Bewegung stimuliert die Muskulatur, so wird sie besser durchblutet und folglich auch besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Außerdem werden die Bandscheiben abwechslungsreich belastet und dabei massiert. Dadurch bleiben sie elastisch und können sich wieder besser mit Flüssigkeit vollsaugen.

Zugleich wird jedoch auch das Gleichgewichtsorgan im Gehirn aktiviert: Damit erhöhen sich Aufmerksamkeit, Konzentration und geistige Leistungsfähigkeit.
Eine wissenschaftliche Studie der Uni Mainz aus dem Jahr 2015 zeigte außerdem, dass sich beim dynamischen Sitzen auch die Herzraten-Variabilität verbesserte. Das bedeutet, dass der Körper auf einem dynamischen Stuhl auch mit hoher Stressbelastung besser umgehen kann. Es lohnt sich also auf jeden Fall, beim Sitzen in Bewegung zu sein.