Einziger Wermutstropfen: Schlechte Akustik, wohin man auch hört. Architekt Jens-Michael Baum im Interview.

Herr Baum, aktuelle Studien belegen: Je größer das Büro, desto mehr Mitarbeiter fühlen sich vom Umgebungslärm belästigt – mit negativen Auswirkungen auf ihre Konzentration und Leistungsfähigkeit. Wissen Unternehmen überhaupt, worauf Sie sich bei der Planung von Büroetagen, insbesondere von Großraumbüros, einlassen?

Schlechte Akustik im Büro bedeutet Konzentrations- und Leistungsverlust. Das kostet Unternehmen Unsummen an Geld. Inzwischen haben sie aber verstanden, dass Verdichtung und Open Space (Anmerkung der Redaktion: Großraum) nur über Behaglichkeit in den Punkten Akustik, Licht, Luftqualität und über farbige, lebendige Bürowelten möglich sind. Leider gibt es zu wenig gute Fachplaner, die zu diesen Themen interdisziplinär beraten können.

Es scheint, als wäre das Großraumbüro mit dem Nebeneinander von Kommunikation und Konzentration heute der neue Standard in der Arbeitswelt. Wo liegen aus Sicht des Akustikers die Herausforderungen für den Planer?

Diskretion und Privatheit, Kommunikation und Konzentration liegen im Open Space unmittelbar in Korrelation. Das Zusammenspiel von Hintergrundsprache und hoher Konzentration am persönlichen, sprich territorial zugewiesenen Arbeitsplatz ist die Kunst, die es zu meistern gilt. Nicht die Lautstärke ist der Feind im Open Space, sondern das unfreiwillige Mithören der Gespräche anderer.

Was kann man dagegen tun?

Mit heutigen Absorbern und der geschickten Anordnung der absorbierenden Flächen an Wand, Decke, Boden und Möbeln lässt sich eine Verdichtung von neun Quadratmetern Grundfläche pro Mitarbeiter bei gleichzeitig hoher akustischer Diskretion realisieren.

Wozu braucht es da noch akustischen Schutz über die Möblierung?

Die Möblierung hat in den letzten Jahren eine völlig neue Aufgabe in der akustischen Konditionierung bekommen. Durch neue, klimatisch wirksame Decken und bodentiefe Fenster mit energetischem Mehrwert sind zwei wertvolle bauliche Flächen entfallen, die vorher für die akustische Konditionierung zuständig waren.

Jetzt muss das Mobiliar diese Flächen auffangen. Das heißt, die Begrenzung der Nachhallzeit und des Gesamtschallpegels werden heute vermehrt von abschirmenden Stellwänden, Tischpaneelen oder auch von akustisch wirksamen Schränken übernommen.

Wie werden solche Lösungen geplant?

Generell gilt: Je kürzer die Nachhallzeit im Raum, desto besser ist die Sprachverständlichkeit. Dadurch reden alle intuitiv leiser, der Gesamtschallpegel bleibt niedrig und die physische sowie die psychische kognitive Belastung sinken auf ein behagliches Maß. Das ist unser Ziel. Die wichtigsten Planungsparameter sind dabei die Raumgeometrie und die Evaluierung der baulichen akustischen Absorber Boden, Wand, Decke.

Aus dem Ist-Zustand heraus werden die Nachhallzeit und die permanente Minderung des Gesamtschallpegels ermittelt. Die gesetzlichen Richtlinien geben dabei vor, wie die Nachhallzeit und die ergänzenden Planungsparameter für das Raumvolumen und die jeweilige geplante Nutzungsart des Raums auszusehen haben.