Der Fehlzeiten-Report zeigt auf, dass eine als schlecht bewertete Unternehmenskultur bei 27,5 Prozent der Befragten sowohl zu körperlichen als auch zu psychischen Beschwerden führt – mit entsprechend langen Fehlzeiten. Auch wenn es keinen verlässlichen Weg gibt, um psychische Gesundheit sicherzustellen, so lassen sich doch immerhin vier Faktoren identifizieren, die als Minimalvoraussetzungen für psychische Unversehrtheit gelten können.

In der Wirtschaft findet heute an vielen Stellen ein Verdrängungswettbewerb statt. Unternehmen führen einen Vernichtungskrieg gegeneinander. So entsteht ein Klima, das letzten Endes zur Entmenschlichung führt. Man mag darüber streiten, ob die Teilnahme an diesem brutalen Wettbewerb unvermeidlich ist; jedoch ist unbestreitbar, dass nicht jeder Mitarbeiter unbeschadet daraus hervorgeht.

Um so unverzichtbarer wird angesichts dieser Umstände eine menschliche Arbeitsumgebung. Wir brauchen eine  Führung, die der menschlichen Natur Rechnung trägt. Menschen müssen wie Menschen behandelt werden, indem man einige ihrer wichtigsten Bedürfnisse berücksichtigt:

Das Bedürfnis nach Wahrnehmung

„Es ist das vorrangige Bedürfnis eines jeden Menschen, zu fühlen, dass er für den anderen existiert“, schrieb Daniel Goleman in seinem Buch über emotionale Intelligenz.

Ein paar Sätze Small Talk, Interesse an der Meinung der einzelnen Mitarbeiter, die Gratulation zum Geburtstag, Augenkontakt – all das signalisiert Aufmerksamkeit.

Oftmals reduzieren Unternehmen ihre Mitarbeiter jedoch zu bloßen Werkzeugen.

Die Wahrnehmung von Mitarbeitern zeigt sich auf vielerlei Weise: Ein paar Sätze Small Talk, Interesse an der Meinung der einzelnen Mitarbeiter, die Gratulation zum Geburtstag, Augenkontakt – all das signalisiert Aufmerksamkeit und bekundet die Anerkennung der Existenz des Mitarbeiters als Person. Aber auch der Blick für die Belastungsfähigkeit jedes Einzelnen gehört dazu; ebenso die Notwendigkeit, dem Bedürfnis nach Anerkennung gerecht zu werden.

Das Bedürfnis nach Klarheit, Berechenbarkeit und Verlässlichkeit

Menschen brauchen Orientierung und Sicherheit. Alles andere verursacht extrem hohen Stress. Deswegen müssen Arbeitsanweisungen klar sein, angekündigte Maßnahmen verlässlich umgesetzt werden. Mitarbeiter haben ein Recht auf frühzeitige und verständliche Informationen. Sie müssen in der Lage sein, Zusammenhänge zu verstehen und ihre eigene Rolle dabei zu definieren. Unter anderem deswegen dürfen Vorgesetzte Mitarbeitergespräche nicht vernachlässigen.

Das Bedürfnis nach Kontrolle

Hilflosigkeit ist ein schier unerträglicher Zustand. Menschen, die sich ausgeliefert fühlen, erkranken häufiger. Wer hingegen die Erfahrung macht, etwas bewirken zu können, dem geht es gut. Er ist psychisch stabiler, tatkräftiger und optimistischer. Deshalb brauchen Mitarbeiter Spielräume und Ermutigung.

Das Bedürfnis nach Authentizität

Von Mitarbeitern wird üblicherweise verlangt, sich auf die ihnen zugedachten Rollen und Aufgaben einzustellen. Persönliche Meinungen oder Neigungen interessieren selten.

Wer die vier fundamentalen Bedürfnisse öfters missachtet, wird unter Garantie psychische Probleme erzeugen.

Das wird gefährlich, sobald die geforderte Anpassung die Grenze zur Selbstverleugnung erreicht. Denn wer sich laufend verstellen oder seine Werte verraten muss, erlebt ein Höchstmaß an Stress. Zudem verhindert Verstellung jegliches Vertrauen. So wird man sich selbst und anderen entfremdet.

Die Befriedigung dieser vier Grundbedürfnisse macht psychische Gesundheit wahrscheinlicher. Garantieren kann sie nichts. Denn sie gewährleistet lediglich eine notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung für die seelische Unversehrtheit von Mitarbeitern. Wer aber diese vier fundamentalen Bedürfnisse öfters missachtet, wird unter Garantie psychische Probleme erzeugen.