Im Gegenteil: Auf sich selbst aufzupassen und trotzdem – oder gerade deswegen – überproportionalen Einsatz zu zeigen, ist gefordert. Ausgeglichenheit und State-Management sind die Begriffe und Erwartungen der Gegenwart. Aber immer noch missachten sehr viele Manager die Signale ihres Körpers, sorgen eben nicht für den gebotenen Ausgleich, weil sich das Rad immer schneller drehen muss. Die Welt wird von Jahr zu Jahr vielfältiger, die Anforderungen werden immer größer, die Spielregeln immer härter, und allem voran wächst die Anzahl und Geschwindigkeit der zu verarbeitenden Eindrücke und damit der zu bewältigende Druck.

Immer mehr Manager greifen deswegen zu leistungssteigernden Mitteln. Der Grat zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und verbotenen Substanzen ist schmal. Nicht selten landen die Betroffenen in der Sucht. Die Liste der eingenommenen Mittel ist lang: Koffein, Nikotin, Alkohol, Medikamente und Aufputschmittel – von Speed bis Kokain ist alles dabei. Die Folgen einer fortgesetzten Überbeanspruchung sind längst nicht mehr nur Burn-out. Suchtbefreiung nimmt auch in Unternehmen eine immer größere Rolle ein. Erschöpfungszustände jeder Art, Kopfschmerzen, Verspannungen und häufige Infekte sind die Konsequenz des Ignorierens unseres Gesundheitsbedarfs – manchmal als Folge der Sucht, manchmal als Einstieg in die Sucht. Bekämpft werden die Symptome, nicht die Ursachen. Die Folgen kosten Unternehmen Millionen.

Die Verantwortung für die eigene Gesundheit, Vitalität und Energie muss besser gelebt werden. Es mangelt nicht an Aufklärung, sondern an der ganz persönlichen Umsetzung, die schon im Kleinen beginnen kann. Den bestens bekannten Bereichen Bewegung und Sport, gute Ernährung und Wasser wird in der Regel noch Rechnung getragen – doch bei der ausgleichenden Entspannung und Ruhe, frischer Luft und Atempausen hört es meist schon auf. Dabei ist all das heute einfach zu integrieren, und die mentale und emotionale Ausrichtung kostet nicht viel Zeit und bringt deutlich bessere Ergebnisse, auch für die Arbeit.

Die folgenden Tipps können helfen:

  1. Die Ausrichtung des Tages beginnt bereits am Vortag und führt dann zu deutlich verbessertem Schlaf. Schließen Sie den Tag ab und schreiben Sie in Stichpunkten die drei wichtigsten Aufgaben des nächsten Tages auf. Die Niederschrift entlastet Ihren Kopf.
  2. Nehmen Sie sich morgens vor der Arbeit Zeit für Ihr persönliches Mentaltraining. Dankbarkeit bringt Ruhe und wertvolle Ziele geben Ihnen die Kraft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wofür können Sie dankbar sein? Was ist Ihnen wirklich wichtig? Wie wird es sein, wenn Sie Ihre Ziele erreicht haben? Inkantationen geben Ihnen Stärke und Ausrichtung. Nutzen Sie diese Beschwörungsformeln für Ihren Fokus. Ein bewusster Atem an der frischen Luft sorgt für Sauerstoff und Klarheit. Nutzen Sie zum Beispiel auch die Wegezeit und verbinden Sie Ihre mentale Ausrichtung mit ausgewählter Musik.
  3. Machen Sie kurze Pausen – mehrfach! Schon ein bis drei bewusste Minuten wirken Wunder. Wann immer der Druck so groß wird, dass Sie Leistungsabfall und Konzentrationsschwächen spüren, haben Sie bereits überzogen. Verlassen Sie den Arbeitsplatz, ziehen Sie sich kurz zurück und schließen Sie die Augen, wenn möglich. Atmen Sie ganz bewusst langsam und wiederholen Sie Ihre Inkantationen oder sprechen Sie ein ausgewähltes Mantra. Gar nicht auszudenken ist der Nutzen eines echten Breaks, einer 20- bis 30-minütigen Pause oder eines Powernappings. Es ist erlernbar und ungemein erfrischend. Sie schaffen damit Konzentration und Leistungsvermögen für viele weitere Stunden.
  4. Achten Sie auf Bewegung. Gehen Sie spazieren oder treiben Sie Sport, am besten an der frischen Luft. Recken und strecken Sie sich wenigstens morgens und abends und machen Sie ein paar Übungen, die nicht den gewohnten Bewegungsabläufen entsprechen. Wenn es irgendwie möglich ist, bauen Sie es in den Arbeitstag ein, denn die Unterbrechungen schaffen Entspannung und schärfen Ihre Aufmerksamkeit.

Ihre Physiologie, Ihre Emotionen und Ihre Gedanken beeinflussen sich permanent gegenseitig. Sie brauchen also nur an einem Punkt anzusetzen und beeinflussen so Ihren gesamten Zustand – Ihren State!

Über den Autor:

Bernd Kiesewetter ist Vortragsredner, Mentor und Autor sowie Unternehmer aus Leidenschaft. Er ist an mehreren Unternehmen verschiedener Branchen beteiligt und gibt deswegen ausschließlich fundiertes Praxiswissen weiter. Seine Mission: Verantwortung. Seit mehr als 30 Jahren kennt er extreme Höhen, aber auch tiefe Krisen, wie sie den meisten Menschen in der Regel hoffentlich erspart bleiben – darunter auch seine eigene Kokainsucht. Bernd Kiesewetter ist Autor mehrerer Bücher rund um die Themen Verantwortung und Managergesundheit. Sein Hauptwerk trägt den Titel „Mission Verantwortung – Weil Erfolg deine Entscheidung ist“.

Weitere Informationen unter www.berndkiesewetter.com.