Wer eine wirklich performanceorientierte Arbeitsweltgestaltung erreichen möchte, kommt angesichts der neuen Erkenntnisse der Gesundheitsforschung an einer Revision der bisherigen Ergonomiekonzepte nicht vorbei. Lesen Sie hier, worauf es wirklich ankommt, um bei der Digitalarbeit fit zu bleiben! 

Körper und Geist zwischen Steinzeit und Hightech

Obwohl wir biologisch eigentlich Hocker, Steher, Läufer und Lieger sind, ist uns das Sitzen zur „zweiten Natur“ geworden. Ob zu Hause oder in der Arbeit, ob öffentlich oder privat – nichts ist für uns selbstverständlicher, als überall und jederzeit zu sitzen. Selbst die Mobilität in Bus, Bahn, Flugzeug oder Auto findet im Sitzen statt. Erkrankungen des Muskel-Skelettsystems zeichnen für knapp 22% aller Ausfalltage verantwortlich. Und das hat vor allem mit unserem biologischen Erbe zu tun.

Drei von vier Versicherten hatten in innerhalb eines Jahres die Volkskrankheit „Rückenschmerzen“ (vgl. DAK Gesundheitsreport 2018), und das, obwohl seit vielen Jahren im Rahmen des „Betrieblichen Gesundheitsmanagements“ vermehrt in Maßnahmen zur Rückengesundheit investiert wird. Aber nicht nur „Rücken“ sondern viele weitere Störungen der Gesundheit werden inzwischen mit besonders bewegungsarmen Arbeitsstilen der digitalisierten Bürowelten in Verbindung gebracht. Gesundheitswissenschaftler wie Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln verweisen darauf, dass sich alle Körperkompetenzen zurückbilden, die nicht regelmäßig aktiviert werden. Fehlen die Bewegungsreize, dann werden die Muskeln unterversorgt, die Stoffwechselrate sinkt, der gesamte Organismus fährt auf Sparflamme und langfristig werden Gelenke, Knochen und Immunsystem geschädigt.

Steinzeitliches Erbe: totale Entlastung macht krank

Die Bewegungsfaulheit  sehen Evolutionsforscher als natürliches Instinktverhalten: Kalorien werden nur dann in größerem Maß verbraucht, wenn es das Überleben erfordert. Komfort und Bequemlichkeit zählen deshalb umgekehrt zu den stärksten Triebfedern der zivilisatorischen Entwicklung. Wenn aber der Bewegungsraum zur Erledigung der Büroarbeit auf die Größe eines Mouse-Pads, einer Tastatur und manchmal auf das Display des Smartphones reduziert ist, dann wird die hilfreiche Entlastung zur schädlichen Unterforderung.

Auch die Sitzergonomie der Bürostühle wurde seit über 100 Jahren auf Haltungsoptimierung ausgelegt und mit zahlreichen Einstellmöglichkeiten perfekt an unterschiedliche Körpergrößen und Formen angepasst. Das Credo: den Körper wie mit einem maßgeschneiderten Korsett zu entlasten und vor dem Bildschirm zu fixieren. Damit ist die haltungsorientierte Bürostuhlergonomie zum Teil des Problems geworden: Sie schwächt die Muskulatur, sie verhindert Haltungswechsel und sie reduziert auch die mentale Performance. Studien mit Kindern belegen, dass die Lernfähigkeit mit der Zahl der Bewegungspausen steigt und körperlich aktive Senioren sind deutlich seltener von Demenz geplagt.  

Mehr Bewegung beim Sitzen fördert Leistung, Motivation und Gesundheit

Was bedeutet das für die Bürostuhlkonzepte? Gesundheitswissenschaftler stellen Aktivierung und natürliche Stimulation in den Mittelpunkt einer neuen Sitzergonomie: Jede Haltung, die der Körper schmerzfrei einnehmen, und jede Bewegung, die er ausführen kann, wird als richtig und wichtig erachtet. Dabei gilt: Je häufiger die Haltungswechsel und je vielfältiger und natürlicher die Bewegungen, desto besser werden auch beim Sitzen Stoffwechsel, Körperkompetenzen und geistige Leistungsfähigkeit aktiviert.


Neue, dreidimensional-dynamische Sitzkonzepte verbinden Bewegungsstimulation mit sicherer Abstützung, um zu aktivieren ohne zu ermüden. Foto: Wilkhahn

Da der menschliche Organismus für das Laufen optimiert ist, sind es vor allem die dreidimensionalen Bewegungen der Hüfte, die den größten Effekt für einen gesunden Stoffwechsel haben. Die Deutsche Sporthochschule Köln hat beim Büromöbelhersteller Wilkhahn nicht nur maßgebliche Impulse zur Entwicklung einer neuen, dreidimensional-dynamischen Kinematik gesetzt, sondern in verschiedenen Studien deren Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden evaluiert. Eine Laborstudie untersuchte die Körperkonformität: Das neue Sitzkonzept mobilisiert die natürliche Beweglichkeit der Hüfte, stimuliert die tiefe Rückenmuskulatur und aktiviert mit flüssigen Bewegungen große Muskelschlingen von den Fußgelenken bis zum Schultergürtel, ohne Unsicherheit und Überforderung. Eine zweite, vergleichende Feldstudie belegte, dass dieses Mehr an Bewegung zu signifikant mehr Wohlbefinden und zu einer deutlich verbesserten Konzentrationsleistung führt. In der jüngsten Vergleichsstudie (2018) schließlich wurden anhand von standardisierten Büroarbeitsprozessen erstmalig die konkreten Stoffwechselaktivitäten spezifischer Rückenmuskeln untersucht. Entscheidend für den Stoffwechsel ist dabei der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung. Auf dem 3D-dynamischen Bürostuhl ist die Beweglichkeit gegenüber einem guten 2D-dynamischen Bürostuhl ungleich vielfältiger und sie wird in der Büroarbeit ganz offensichtlich intuitiv genutzt. Das 3D-dynamische Sitzen führt daher nachweislich zu einer besseren Versorgung der Muskulatur im Lumbalbereich, der besonders häufig von Rückenschmerzen betroffen ist. Und last but not least schätzten die Probanden den 3D-dynamischen Bürostuhl in allen Kriterien besser ein.


Bereits kleinste Gewichtsverlagerungen werden in unbewusste, rotatorische Bewegungen übersetzt, die den Stoffwechsel der Muskulatur im Lumbalbereich anregen. Abb. Deutsche Sporthochschule Köln, Vergleichsdiagramm zur Stoffwechselaktivität der Lumbalmuskulatur von 2D-dynamischem und 3D-dynamischem Bürostuhl aus der Studie „Mehr Bewegung am Sitzarbeitsplatz“. Zum Vergrößern das Bild anklicken. (Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln, Prof. Ingo Froböse, Dr. Boris Feodoroff, Peter Schams, Mai 2018).

Der nächste Schritt: vom 3D-Sitzen über 3D-Stützen bis zum Stehen in einem Flow

Neben der 3D-dynamischen Beweglichkeit des Bürostuhls entwickelt sich die Höhenverstellbarkeit der Arbeitstische zum neuen Standard in gesundheitsorientierten Büroflächen, um den Wechsel zwischen Sitzen und Stehen zu fördern. Die Herausforderung: Die Mehrzahl nutzt diese Option gar nicht, weil das Aufstehen von einer normalen Sitzhöhe relativ aufwändig und die Verstellung der Tischhöhe mit Wartezeiten verbunden ist. Der Wechsel erfordert daher immer eine Unterbrechung der Arbeit!


Die neue Generation von 3D-dynamischen Bürostühlen verbindet die Bewegungsvielfalt der 3D-Kinematik mit breiter Modell- und Gestaltungsvielfalt – inklusive Gewichtsautomatik für den Einsatz im Multi-Space. Modelle mit ESP (erhöhter Sitzposition) unterstützen den Wechsel vom Sitzen zum Stehen in einem Bewegungsverlauf. Fotos: Wilkhahn.

Genau hier setzen neue Bürostuhlmodelle mit erhöhter Sitzposition (ESP) an: Diese Modelle lassen sich als normale Bürostühle mit voller 3D-Beweglichkeit nutzen, aber auch auf bis zu 62 cm Sitzhöhe hochfahren. In der hohen Sitzposition eröffnen sich neuartige Zusatzeffekte: Wird eine Sitzvorneigung aktiviert, verwandelt sich der Bürostuhl in der aufrechten Position zur dynamischen Stehstütze, die trotzdem noch einen angenehmen Kontakt zur Rückenlehne bietet. Lehnt man sich entspannt nach hinten, reichen kleine Gewichtsverlagerungen, um die dreidimensionale Beweglichkeit des Beckens zu stimulieren und dabei die Beine baumeln zu lassen. Die Vorwärtsbewegung wiederum endet dann nicht beim aufrechten Sitzen, sondern fast automatisch im Stehen. Weil der Tisch von vorneherein schon höher eingestellt ist, muss er für eine kurze Steharbeitsphase gar nicht mehr nachjustiert werden. Ein Effekt mit großer Wirkung: Der erwünschte Haltungswechsel der Steh-Sitzdynamik ist ganz intuitiv in Körperbewegungen und Workflow integriert. Die Mehrinvestition in höhenverstellbare Arbeitstische zahlt sich damit auch wirklich aus.

Perspektive: der Stoffwechsel als neue Kenngröße für Gesundheit und Ergonomie

Das Verständnis wächst, dass es im hochkomplexen menschlichen Organismus insbesondere die Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen Gesundheitsdimensionen sind, die das subjektive Wohlbefinden und die Gesundheit beeinflussen. Der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung, Belastung und Entlastung, Einatmen und Ausatmen wird dabei als entscheidendes Vitalitätsprinzip begriffen.


Bewegungsanimation statt bequemer Sofa-Ecken: In informellen Bereichen sollten neben Entspannung gezielt Beweglichkeit und Gleichgewichtssinn gefördert werden. Foto: Wilkhahn

Den gemeinsamen Nenner vieler Studien zu Ernährung, zu psychischen Belastungsfaktoren und zur Bewegung bilden die Auswirkungen dieser Einflussfaktoren auf den Stoffwechsel und umgekehrt. In einem ganzheitlichen Gesundheitsverständnis könnte damit der Stoffwechsel zur entscheidenden Kenngröße werden, um die Maßnahmen zur Gesundheitsförderung sinnvoll aufeinander abzustimmen.  Wie auch immer sich die Forschung dazu entwickelt, ein Fazit kann schon heute gezogen werden: Der Produktivitätszuwachs durch mehr Beweglichkeit im Sitzen spielt die Investitionen in kurzer Zeit ein, von den längerfristigen Motivations- und langfristigen Gesundheitseffekten ganz zu schweigen. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, nicht nur das Sitzen, sondern die Büroprozesse und den Büroraum insgesamt zu überdenken. Bewegt Euch, Mitarbeiter, heißt das Gebot der Stunde – nicht nur im übertragenen Sinn!


Moderne Bürokonzepte wie das „aktivitätsbasierte Büro“ stellen unterschiedliche Arbeitsumgebungen in den Mittelpunkt, so dass sich der Mensch häufig im Gebäude bewegt. Abb. aus B. Remmers, G. Englich: Planungshandbuch für Konferenz- und Kommunikationsräume, Basel, Boston, Berlin 2008.


Fasst die aktuellen Forschungsergebnisse zusammen und erläutert das zukunftsweisende Konzept des „Bewegungsbüros“: die Broschüre „free-2-move“ als kostenfreier Download unter: www.wilkhahn.com