Sicher ist: Mit der Veränderung der Arbeitswelt verändern sich auch die Belastungen der Beschäftigten. Doch auch wenn ein Unternehmen weiß, dass es sich in Zukunft um die dauerhafte Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Mitarbeiter kümmern muss, herrscht bei den Präventionsangeboten große Unsicherheit. Können ein Obstkorb, Zuschüsse zum Fitnessstudio, ein Gesundheitstag oder der alljährliche Betriebsausflug die Lösung sein? Um die richtigen Angebote aufzusetzen, muss sich jedes Unternehmen zunächst zwei Fragen beantworten.

Wofür beziehungsweise gegen was benötigen wir präventive Maßnahmen?

Die häufigsten Antworten sind aktuell eine steigende Komplexität und die rasante Geschwindigkeit der Veränderungen durch die Digitalisierung. Daraus resultiert ein Gefühl der zunehmenden Überforderung. Hält dieses Gefühl über einen längeren Zeitraum an, leidet die Problemlösekompetenz der Menschen, und das führt in letzter Konsequenz zu einer gefühlten Hilflosigkeit. Gleichzeitig kommt es zu einer Daueraktivität im Gehirn, weil es ständig nach einer Lösung sucht. Hier leidet die regenerative Stresskompetenz. Prävention gegen Überforderung benötigt also eine Methodenkompetenz. Hier helfen einfache Tipps wie „Mach mehr Sport“, „Iss Nüsse“ oder „Fahr mal in Urlaub“ nicht.

Welche Ziele soll die Prävention erfüllen?

Hier sind es laut Unternehmen insbesondere die langfristige Gesunderhaltung und die Sicherung der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Wenn das auch Ihre Antworten sind, gibt es nur eine Lösung: Ihre Beschäftigten benötigen gute Anpassungsstrategien und gut ausgeprägte Kompetenzen der Selbstführung, um mit der sich verändernden Welt entspannt und möglichst stressfrei umgehen zu können.

Die Verpflichtung zur Umsetzung liegt dabei sowohl bei den Arbeitgebern als auch bei den Arbeitnehmern. Arbeitgeber sollten Angebote schaffen, Arbeitnehmer sind aber auch verantwortlich dafür, sich um die eigene Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu kümmern. Sie sollten die Angebote annehmen.

Tipps für mehr psychische Gesundheit in Ihrem Unternehmen

Prävention für mehr psychische Gesundheit findet auf mehreren Ebenen des Unternehmens statt: auf der Unternehmens-, der Abteilungs- und der individuellen Ebene. Auf Unternehmensebene sollten regelmäßig psychische Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt werden, die auch von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vorgeschrieben sind. Zu empfehlen ist hier ein einfaches Testinstrument. Dann lässt sich die Gefährdungsbeurteilung auch mit kleinem Budget umsetzen. Gute Befragungsbögen gibt es bei der BAuA. Die Ergebnisse einfacher Tools reichen in der Regel, um damit nachgelagerte Workshops mit Mitarbeitern durchzuführen. Die Workshops steigern das Gefühl von Mitsprachemöglichkeiten und den Wohlfühlfaktor.

Ein weiterer Schritt ist die Team- beziehungsweise Abteilungsebene. Bei über 70 Prozent der Kündigungen liegt der Hauptgrund bei der Führungskraft. Leider wird eine Führungskraft in vielen Fällen Führungskraft, weil sie fachlich gut ist. Die Sozialkompetenz steht in der Regel nicht im Vordergrund. Dabei sehen nach neuesten Umfragen die Führungskräfte selbst das Thema „Gesund führen“ als wichtigstes Führungsthema der nahen Zukunft an. Unternehmen machen hier häufig den Fehler, dass sie die Führungskräfte überfordern. Hier ergibt es Sinn, sie nicht verantwortlich für die Burn-out-Prävention zu machen. Das führt zu einem Gefühl der Überforderung und Ablehnung. Sie sollten Veränderungen bei Mitarbeitern wahrnehmen und dann Gespräche führen können. Darauf können wir die Führungskräfte vorbereiten. Und wir können sie schulen, welche Art von Führung und welche Verhaltensweisen für das Wohlgefühl der Mitarbeiter wichtig sind.

Die dritte und wichtigste Ebene für Leistungsfähigkeit und Gesundheit ist die individuelle Prävention. Psychische Erkrankungen sind bereits für 42 Prozent aller Frühverrentungen verantwortlich. Bei den Krankheitstagen liegen sie nach Muskel-Skelett-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen an dritter Stelle. Da psychische Belastungen aber zum Beispiel für 80 Prozent der Rückenbeschwerden und für viele weitere Erkrankungen wie Atemwegsinfektionen oder Magen-/Darmbeschwerden et cetera verantwortlich sein können, verschiebt sich die Statistik noch einmal deutlich. Hier empfiehlt sich der individuelle Ansatz: Die Vermittlung der Methodenkompetenz, das Erkennen der eigenen Risikofaktoren und das Aufzeigen von Optimierungspotenzialen dokumentieren in den letzten Jahren einen eindeutigen Vorsprung zu herkömmlichen Stresspräventionskonzepten.

Die Durchführung aller drei Ebenen führt zu einer positiveren Unternehmenskultur, mehr Leistungsfähigkeit, Motivation und Attraktivität für aktuelle und neue Mitarbeiter.

Informationen

Holger Kracke ist Experte für gesunde Leistungsfähigkeit, Speaker, Trainer sowie Vorsitzender des Deutschen Bundesverbandes für Burnout-Prophylaxe und Prävention e.V..

Für mehr Informationen schreiben Sie gerne eine Mail an h.kracke@dbvb.org.