Aus der Sicht von Führungskräften: Wie kann eine depressive Erkrankung von Mitarbeitern erkannt werden?

Führungskräfte müssen keine Diagnose stellen, aber sie sollten in der Lage sein, Veränderungen beim Mitarbeiter festzustellen. Beispielsweise wenn der Mitarbeiter zunehmend freudlos und angespannt wirkt, sich zurückzieht.

Führungskräfte sollten in der Lage sein, festzustellen, ob ein Mitarbeiter Hilfe benötigt.

Dann sollten Führungskräfte in der Lage sein, ein Gespräch zu führen, in dem es festzustellen gilt, ob der Mensch professionelle Hilfe benötigt. Sollte sich dies beim Gespräch zeigen, sollten Führungskräfte auch wissen, wo sich der Mitarbeiter hinwenden kann, zum Beispiel bei Verdacht auf eine Depression an den Hausarzt oder den Psychiater oder Nervenarzt.

Etwas Basiswissen hilft auch, um besser unterscheiden zu können, ob der Mitarbeiter krank ist oder nur bedrückt wegen Problemen und Bitternissen, wie sie das Leben oft bietet.

Kann eine Depression klar von Befindlichkeitsstörungen oder Emotionen, wie zum Beispiel Trauer, abgegrenzt werden?

Nicht immer ist das leicht. Verstimmungen können natürlich durch äußere Einflüsse wie Verlust, Überforderung, eine schlimme Diagnose oder Ähnliches kommen, aber all dies ist Teil des normalen Lebens. Von einer Depression spricht man erst, wenn mehrere Krankheitszeichen durchgehend über mindestens zwei Wochen vorliegen.

Zu diesen zählen neben depressiver Verstimmung unter anderem eine generelle Interessen- und Freudlosigkeit, eine Störung des Antriebs mit Erschöpfungsgefühl, Appetitlosigkeit, oft mit Gewichtsverlust, Schlaflosigkeit, Neigung zu Schuldgefühlen, Konzentrations- und Entscheidungsprobleme, Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken.

Auch berichten Menschen mit schweren Depressionen, gar keine Gefühle mehr wahrnehmen zu können, auch keine Trauer.

Wie findet man in solch ein Gespräch?

Bei Verdacht auf eine Alkoholabhängigkeit gibt es Handlungsleitlinien für Führungskräfte. Leider ist dies bei der ebenfalls schwerwiegenden und noch häufigeren Erkrankung Depression unterentwickelt.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und andere bieten spezielle Schulungen zu dieser Thematik an, bei denen Grundwissen vermittelt und durch Rollenspiele geübt wird, wie man die richtigen Worte findet. Die Scheu und Unsicherheit ist häufig eine große Barriere, die dazu führt, dass viel Zeit verloren geht, bis der erkrankte Mitarbeiter in professionelle Behandlung kommt.