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SMART INVESTMENTS

„Derzeit beziehen Frauen im Durchschnitt noch rund 40 Prozent weniger Rente als Männer“

Foto: Cornelia Frey

Cornelia Frey ist DIE Frau an der Börse. Im Interview spricht sie über Frauen in der Finanzbranche und erklärt, warum Geldanlage keine Männersache ist.

Der erste Job, Heirat, das erste Kind – gibt es einen richtigen Lebensabschnitt, um mit seiner Vorsorgeplanung zu starten?

Je früher, desto besser. Bereits in jungen Jahren legen viele Eltern monatlich Geld für den Nachwuchs zur Seite – etwa über Wertpapier-Sparpläne. So mache ich es übrigens auch bei meinen beiden Kindern. Spätestens mit dem ersten selbst verdienten Geld sollte sich jeder Gedanken machen über Versicherungen, Notgroschen und Altersvorsorge. Wenn sich die Lebenssituation verändert, zum Beispiel Nachwuchs ansteht, sollten die Finanzen ebenfalls angepasst werden.

Warum ist Geldanlage meist noch Männersache?

Das liegt unter anderem am Rollenbild, das im Elternhaus vorgelebt wird: Während Frauen oft die alltäglichen Aufgaben verwalten, kümmern sich Männer um die langfristige Finanzplanung. In einer Studie der Bank UBS gab die Mehrheit der befragten Frauen an, über zu geringe Kenntnisse für gute Investitionsentscheidungen zu verfügen. Dieses mangelnde Wissen sei der Hauptgrund, warum sie sich weniger in Finanzangelegenheiten engagieren. Traditionelle Rollenbilder und vermeintliche Wissenslücken können bei Anlegerinnen übrigens auch zu geringerem Selbstbewusstsein führen – mit Folgen für das Anlageverhalten. Studien zeigen, dass Frauen doppelt so oft wie Männer auf ein Sparkonto setzen und damit durch Niedrigzinsen und Inflation unter dem Strich Geld verlieren.

Wie in vielen Bereichen legen Frauen und Männer auch bei Investitionen verschiedene Schwerpunkte. Wer ist der bessere Anleger?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Männer handeln meist risikoreicher – das wird in Zeiten stark steigender Aktienkurse belohnt. Frauen informieren sich im Vorfeld umfassender, wägen ab und gehen in der Regel weniger Risiken ein – das macht sich bei fallenden Aktienmärkten bezahlt. Zudem schichten Frauen ihr Wertpapierdepot seltener um und ersparen sich die dadurch anfallenden Kosten.

Braucht es eigene Finanzformate für Frauen?

Frauen haben oft Berührungsängste und gehen anders an Finanzthemen heran. Deshalb entstehen zunehmend Plattformen und Bildungsangebote speziell für Frauen. Dort geht es zunächst einmal darum, das Interesse der Frauen zu wecken, einen vertrauenswürdigen Rahmen zu schaffen und an das Thema heranzuführen. Frauen informieren sich sehr umfassend, bevor sie einen Bankvertrag abschließen oder Aktien an der Börse kaufen.

Warum sollten Frauen sich intensiver um ihre eigene Vorsorge kümmern?

Für Frauen steht bei der Berufswahl das Einkommen oft nicht im Vordergrund, sie arbeiten für die Familie in Teilzeit, werden für vergleichbare Tätigkeiten schlechter bezahlt. Dadurch verdienen sie weniger als Männer und bekommen später eine geringere Rente. Die Unterschiede werden zwar kleiner – derzeit beziehen Frauen im Durchschnitt aber noch rund 40 Prozent weniger Rente als Männer. Umso wichtiger ist zusätzliche Vorsorge, damit es im Ruhestand kein böses Erwachen gibt.

Was können Sie Anlegerinnen als goldene Regel mit auf den Weg geben?

Sich informieren und das Thema Finanzen in die eigene Hand nehmen! Im Rahmen von Börsenseminaren und speziellen Veranstaltungen können Frauen sich das nötige Finanzwissen aneignen. Viele Frauen schätzen dabei auch den Austausch mit Gleichgesinnten. Entscheidend ist, eigene Erfahrungen zu sammeln: Immer wieder berichten mir Frauen stolz von ihren ersten Erfolgen auf dem Börsenparkett. Sich selbst ums Geld zu kümmern, ist nicht nur wichtig, sondern kann auch richtig Spaß machen! ′

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Weitere Informationen finden Sie unter www.boerse-stuttgart.de

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